Auch dieses Mal gab es in der Stichwahl zum Landrat in Oberhavel keinen Gewinner…?

Oder vielleicht doch?

Ich bin der Meinung, dass dieses Quorum bei Landratswahlen abgeschafft wird. Zwei Mal hat Alexander Tönnies die Wahl für sich entscheiden können; gewonnen hat er trotzdem nicht. Das Quorum wurde mangels Wahlbeteiligung nicht erreicht.

Es ist schon schade, dass so wenige Mitbürgerinnen und Mitbürger ein Interesse an der Arbeit des Landrates haben. Statt nur gegen die Politik zu wettern, hätten Sie hier die Möglichkeit gehabt, direkte Mitbestimmung zu leben und zu gestalten. Leider wurde diese echte Chance vertan.

Nun bestimmen wieder „Berufs“-Politiker über das Oberhaupt des Landkreises. Wahlausgang offen. Nur eins steht fest:

Busse aus dem Rennen

(so der OGA vom 14.12.2021)

Landrat CDU-Kandidat Busse will zur Wahl im Kreistag nicht antreten.

Oranienburg. Nach der Stichwahl zum Landrat hat CDU-Kandidat Sebastian Busse am Montag angekündigt, sich nicht für den Posten bewerben zu wollen. SPD-Kandidat Alexander Tönnies hatte die Wahl mit 64,3 Prozent der Stimmen gewonnen, scheiterte aber am notwendigen Quorum von mindestens 15 Prozent der Stimmen aller Wahlberechtigten im Kreis. Deshalb wird die Stelle nun ausgeschrieben. Tönnies will sich bewerben, sagte er. Voraussichtlich im April 2022 wählt der Kreistag einen neuen Landrat oder eine Landrätin. kd

Wann bekommt Oberhavel
einen neuen Landrat?

Landratswahl Alexander Tönnies will sich auf den Posten bewerben. Die Kreisverwaltung erklärt das Prozedere. Und was macht Sebastian Busse? Von Klaus D. Grote

In 197 Urnenwahllokalen und 34 Briefwahllokalen wurden Sonntag ab 18 Uhr die Stimmen ausgezählt. Die Auszählung der Briefwahlokale aus Leegebruch, Oranienburg und Velten fand in der Kreisverwaltung statt.

Am Sonntag haben 39.381 Wahlberechtigte ihre Stimme abgegeben. Auf SPD-Kandidat Alexander Tönnies entfielen 24.964 Stimmen (64,3 Prozent). Um das notwendige Quorum von 15 Prozent aller 181.892 Wahlberechtigten zu erreichen, hätte Tönnies mindestens 27.284 Stimmen erhalten müssen. 2320 Stimmen fehlten ihm.

„Das ist natürlich auch enttäuschend für alle, die am Sonntag gewählt haben“, sagte Alexander Tönnies, der zwar Wahlsieger ist, aber sein Ziel dennoch nicht erreichen konnte. Erneut stellte er die Sinnhaftigkeit des Quorums in Frage. Tönnies will sich nun um den Landratsposten bewerben. Nach zwei deutlichen Wahlsiegen sei er optimistisch.

Busse will sich nicht bewerben

Sebastian Busse räumte dagegen am Montag seine deutliche Niederlage ein und machte seine Ankündigung wahr. Wegen des deutlichen Stimmenunterschieds zu Alexander Tönnies wolle er sich – in Absprache mit seiner Familie und mit dem CDU-Kreisvorstand – nun nicht mehr bewerben. „Ich will mich nicht mit aller Kraft im Kreistag durchsetzen“, sagte Busse. Dennoch sei er nicht enttäuscht. Vier Parteien hätten sich gegen ihn eingesetzt. Da sei das Ergebnis von 35,7 Prozent doch beachtenswert. Er wolle weiter Bürgermeister bleiben. Am Montagmorgen saß er wieder am Schreibtisch im Rathaus. „Ich fühle mich in Kremmen wohl und werde meine Kraft hier weiter einsetzen.“ Bewerben muss sich auf jeden Fall Alexander Tönnies. Das Rennen um den Landratsposten ist nach der gescheiterten Stichwahl wieder offen.

Wahl im Kreistag wohl im April

Formal muss der Kreistag zunächst eine Ausschreibung der Stelle beschließen. Das soll im Januar passieren. Die Bewerbungsfrist würde dann am 28. Februar enden, erklärt Kreissprecherin Constanze Gatzke. Für Ende März sei ein Sonderkreisausschuss zur Prüfung der Bewerbungen vorgesehen. Voraussichtlich Anfang April wird dann auf einer Sondersitzung des Kreistages der neue Landrat oder eine Landrätin gewählt. Dann dürfen sich alle zugelassenen Bewerberinnen und Bewerber in einer fünfminütigen Rede kurz vorstellen. Anschließend findet die Wahl statt. Drei Wochen später ist die Ernennung auf einer weiteren Sondersitzung geplant. So lange führt der stellvertretende Landrat Egmont Hamelow (CDU) die Kreisverwaltung. Amtsinhaber Ludger Weskamp (SPD) wechselt zum 1. Januar als Präsident zum Ostdeutschen Sparkassenverband.

Auch Weskamps Wahl war 2015 am Quorum gescheitert. Anschließend gingen 27 Bewerbungen bei der Kreisverwaltung ein. 25 Bewerberinnen und Bewerber durften sich den Abgeordneten vorstellen. Die Wahl Weskamps war aber von den Zählgemeinschaft aus SPD und CDU abgemacht. Später wurde der gescheiterte CDU-Landratskandidat Matthias Rink zum Dezernenten ernannt.

Diesmal will Alexander Tönnies zuerste um die Unterstützung von Grünen, FDP und Piraten werben. Diese Parteien hatten auch zur Wahl von Tönnies aufgerufen. Daanch werde er auch mit CDU und Linken das Gespräch suchen, kündigte Tönnies am Montag an.

Die Linke hielt sich am Montag genau so bedeckt wie vor der Wahl. Nach der Absage des eigenen Kandidaten hatte die Partei keine Wahlempfehlung abgeben. Der Kreisvorsitzende Enrico Geißler erklärte am Sonntag auf Facebook, er werde nicht wählen. Auch die Kreistagsabgeordnete Kathrin Willemsen räumte ein, dass sie nicht gewählt habe. „Bei den wenigen Stimmen, die dem SPD-Kandidaten gefehlt haben, hätte ein Zugehen auf die Linke den Unterschied machen können“, schrieb sie auf Facebook.

Linke macht Angebot

Die Linke-Kreistagsfraktionsvorsitzende Elke Bär bedauerte dagegen, dass das Quorum nicht erreicht wurde. „Die Linke hat sich immer für die Direktwahl der Landräte ausgesprochen“, sagte sie. Mit Blick auf die anstehende Wahl im Kreistag erklärte Elke Bär: „Wir sind offen und bereit für Gespräche mit allen demokratischen Kandidaten, mit denen es inhaltliche Überschneidungen gibt und die gewillt sind, diese künftig gemeinsam mit der Linken umzusetzen. Wenn die Bewerber feststehen, werden wir entscheiden, wen wir unterstützen.“ Auch Landrat Ludger Weskamp bedauerte das abermals nicht erreichte Quorum und äußerte sich zur Wahl im Kreistag. „Ich wünsche mir, dass die Mitglieder des Kreistags das Votum der Wählerinnen und Wähler dabei in ihre Überlegungen einbeziehen.“

Alle Ergebnisse aus den Kommunen

Die Wahlbeteiligung in Birkenwerder lag bei 28,4 Prozent. Mit 73,3 Prozent landete Alexander Tönnies (SPD) in der Gemeinde klar vor Sebastian Busse (CDU) mit 26,7 Prozent.

Sebastian Busse (CDU) musste sich auch in seiner Hochburg geschlagen geben. Busse kam in Kremmen auf 42,7 Prozent, Alexander Tönnies (SPD) erreichte 57,3 Prozent. Wahlbeteiligung: 33 Prozent.

In Oberkrämer lag die Wahlbeteiligung bei 24,4 Prozent. Alexander Tönnies (SPD) erhielt 52,8 Prozent. Für Sebastian Busse (CDU) stimmten 47,2 Prozent.

Alexander Tönnies (SPD) kam in Hennigsdorf auf 68,6 Prozent, Sebastian Busse (CDU) auf 31,4 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag in der Stahlstadt bei 18,6 Prozent.

In Velten erreichte Alexander Tönnies (SPD) 56,4 Prozent , Sebastian Busse (CDU) 43,6 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei 17,8 Prozent.

Fürstenberg kam auf eine Wahlbeteiligung von nur 19 Prozent. Klarer Sieger wurde hier Alexander Tönnies (SPD) mit 65,1 Prozent. Sebastian Busse (CDU) erzielte 34,9 Prozent.

In der Gemeinde Löwenberger Land lag die Wahlbeteiligung bei 23,5 Prozent. Alexander Tönnies (SPD) war mit 58 Prozent auch hier vorn. Sebastian Busse (CDU) bekam 42 Prozent.

Bei 21,3 Prozent Wahlbeteiligung im Amt Gransee erzielte Alexander Tönnies (SPD) 62,9 Prozent, Sebastian Busse (CDU) 37,1 Prozent der Stimmen.

In seiner Heimatstadt Hohen Neuendorf kam Alexander Tönnies auf 71,8 Prozent der Stimmen. Sebastian Busse (CDU) erreichte hier 28,2 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag  bei 28,5 Prozent.

Bei 20 Prozent Wahlbeteiligung in der Gemeinde Leegebruch kam SPD-Kandidat Alexander Tönnies auf 57,1 Prozent. Für Sebastian Busse (CDU) stimmten 42,9 Prozent.

64,8 Prozent für Alexander Tönnies (SPD) in der Gemeinde Mühlenbecker Land. Sebastian Busse (CDU) erzielte 35,2 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei 24,2 Prozent.

Alexander Tönnies (SPD) gewan auch in der Stadt Liebenwalde und kam hier auf 58,3 Prozent. CDU-Kandidat Sebastian Busse holte 41,7 Prozent. Wahlbeteiligung: 18,4 Prozent.

Bei nur 16 Prozent lag die Wahlbeteiligung in Zehdenick. Hier kam Alexander Tönnies (SPD) auf 63,6 Prozent der Stimmen. Sebastian Busse (CDU) landete bei 36,4 Prozent.

Im Glienicke lag die Wahlbeteiligung bei 22,9 Prozent. Für Alexander Tönnies (SPD) stimmten 62,8 Prozent. Sebastian Busse (CDU) kam auf 37,2 Prozent.

In Oranienburg stimmten bei einer Wahlbeteiligung von 17,9 Prozent für Alexander Tönnies (SPD) 64,8 Prozent, für Sebastian Busse CDU) 35,2 Prozent. red

Ein Gedanke zu „Auch dieses Mal gab es in der Stichwahl zum Landrat in Oberhavel keinen Gewinner…?“

  1. Also, selbst in Kremmen unterlag Busse mehr als deutlich. Da ist eine Rückkehr an den Bürgermeisterschreibtisch, so als ob nichts gewesen ist, auch mehr als peinlich. Krampft da jemand an einem Amt ohne überhaupt noch den Rückhalt in der Bevölkerung zu besitzen?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.