ChatGPT & Co. im Unterricht?

OGA vom 28. Juni 2024 BRANDENBURG

Lehrer und Schüler erhalten eigenes KI-Werkzeug

Digitalisierung

Der US-Chatbot ChatGPT ist längst auch Thema für den Unterricht. Jetzt erarbeitet das Bildungsministerium auf Pädagogen-Wunsch eine eigene Version.

Von Mathias Hausding

Die Eltern der Schülerinnen und Schüler in Brandenburg müssen sich mit ChatGPT und Co auseinandersetzen, ob sie wollen oder nicht. Den Lehrkräften geht es genauso. Künstliche Intelligenz und die damit verbundenen Anwendungen für Rechner, Tablet und Smartphone verändern die Wissensvermittlung, das Lernen und damit auch den Schulalltag.

Im Jahr 2023 ploppte das Thema in Brandenburg auf, als sich plötzlich sogar Grundschüler Vorträge für den Unterricht von Chat-GPT schreiben ließen, was manche Lehrer als innovativ lobten und andere als Täuschung mit der Note 6 bestraften.

Programm wird nicht mit Daten der Schüler gefüttert.

Das Bildungsministerium reagierte mit der Veröffentlichung eines Leitfadens zum Umgang mit Schulleistungen, die mithilfe von KI erbracht wurden. Jetzt geht Minister Steffen Freiberg (SPD) den nächsten Schritt. „Wir wollen den Schulen eine von uns bereitgestellte ChatGPT-Version zur Verfügung stellen, mit der Schülerinnen und Schüler arbeiten können“, sagt Freiberg. Das werde auch recht schnell gehen. Aber ein genauer Termin für den Start stehe noch nicht fest. Rechtlich gebe es keine Hürden mehr, man arbeite derzeit an der technischen Integration in das vorhandene Schulportal, auf das alle Schulen Zugriff hätten. Dabei gelte es, Sicherheits- und Datenschutzaspekte zu berücksichtigen, so Freiberg. Das sei durchaus aufwendig. „Sobald das geklärt ist, werden wir den Schulen das KI-Instrument zur Verfügung stellen.“ Eine eigene ChatGPT-Version bedeute, dass das Programm nicht mit den Daten der Brandenburger Lehrer und Schüler gefüttert werde. Heißt konkret: Die Nutzer können auf ChatGPT-Ergebnisse zugreifen, aber umgekehrt darf ChatGPT nicht mit jenen Inhalten arbeiten, die Schüler und Lehrkräfte einfügen. Ein ganz entscheidender Punkt, betont der Minister. Man zahle an den ChatGPT-Anbieter OpenAI eine Lizenzgebühr, um die Anwendung auf diese Art nutzen zu können. Die Initiative gehe auf Wünsche von Lehrerinnen und Lehrern zurück, so Freiberg. Sie seien an ihn herangetreten und hätten berichtet, dass es in Sachsen-Anhalt eine solche ChatGPT-Version für die Schulen gebe. „Dann haben wir uns das in Sachsen-Anhalt angeschaut und uns rechtlich und technisch beraten lassen“, erklärt der Minister.

Das Bildungsministerium im Nachbarland nennt als Einsatzmöglichkeiten von ChatGPT die kritische Erprobung von KI in der Schule und die Unterrichtsvorbereitung der Lehrkräfte, also zum Beispiel eine Anekdote, mit der man anschaulich in ein Thema einführen könnte.

Das Modell sei in der Lage, Fragen und Aufgaben zu formulieren. Bevor sie EmuGPT, wie es genau heißt, nützen können, müssen Lehrkräfte in Sachsen-Anhalt eine entsprechende Fortbildung machen.

Lisum übernimmt Ausbildung

Brandenburgs Bildungsminister sieht letztere Aufgabe in der Mark künftig beim neu ausgerichteten Landes-Schulinstitut, dem Lisum-Nachfolger. Die digitalen Kompetenzen und der Umgang mit ihnen seien ein Megatrend. „Wir können uns dem nicht entziehen. Sowohl die Lehrkräfte, als auch die Schülerinnen und Schüler sollten lernen, wie KI-Werkzeuge zu benutzen sind“, betont Freiberg. Konkret gehe es zum Beispiel um Prompt-Optimierung, also das Lernen, mit welchen Befehlen man bei ChatGPT zu sinnvollen Ergebnissen kommt.

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