Archiv der Kategorie: Heute im OGA

Der Wahlkampf zur Bundestagswahl hat begonnen

Zumindest kommt einem so der Gedanke beim Lesen des folgenden Artikels im OGA vom 25.06.2021.

Höchstwahrscheilich hat die CDU noch kein Wahlprogramm, denn sonst würde sie hier nicht solche Nebelkerzen zünden. Es wird versucht, die Ängste der Eltern von kleinen Kindern zu schüren, keinen geeigneten Schulplatz zu finden, da diese im Landkreis angeblich zu knapp sind. Aber wie im Artikel bereits Politiker anderer Parteien zitiert wurden, stimmt dies nicht, da die Entwicklung der Bevölkerung im Schulentwicklungsplan berücksichtigt wird.

Zum Beispiel wird zum neuen Schuljahr der Anbau im Hedwig-Bollhagen Gymnasium in Velten eröffnet, der weiteren Klassen Unterrichtsräume mit modernster digitaler Ausstattung bereit hält (interaktive Displays statt Kreidetafeln, WLAN im Haus und Convertibles für die Schüler).

Die Babara-Zürner Oberschule in Velten erhält einen Neubau zur Erweiterung der Kapazitäten, die Regine-Hildebrandt-Oberschule erhält im Komplex B aktuell eine Kernsanierung, um für weitere Klassen aufnahmefähig zu sein. Alle Gymnasien und weiterführende Oberschulen werden mit Mitteln des Digitalspakts und des Medienentwicklungsplans technisch auf den neusten Stand gebracht.

Vielleicht sollen sich diese CDU-Politiker zunächst mit den Fachleuten austauschen, ehe sie wahlkampftechnisch mit diesem Thema baden gehen.

Also, Augen auf bei der Wahl der zukünftigen Regierungspartei(en) und getätigte Äußerungen bitte hinterfragen und nicht alles glauben, was ver-/gesprochen wird.

Fall sich jemand fragt, wie ich zu diesen Informationen komme, ich bin einer von aktuell vier Schulbetreuern /Schultechnikern im Landkreis.

Hier der Artikel:

25.06.2021 S-Bahn-Gemeinden

Gymnasien sind knackevoll

Bildung Die CDU prescht in den S-Bahn-Gemeinden voraus, obwohl die Schulentwicklungsplanung beim Kreis läuft. Mit Schönfließ gibt es sogar einen Standort-Vorschlag. Von Heike Weißapfel und Jürgen Liebezeit

Das Abitur ist für viele Eltern und Jugendliche ein wichtiger Schulabschluss. Deshalb sind Plätze an Gymnasien und Gesamtschulen mit Oberstufe so begehrt.

Felix Kästle/dpa Previous Next E

inen Platz an einem Gymnasium oder einer Gesamtschule in den S-Bahn-Gemeinden zu bekommen, ist fast wie Goldstaub.  Deshalb wird nach einem Grundstück gesucht, auf dem eine neue Schule gebaut werden könnte. Jetzt kommt ein Areal in Schönfließ ins Spiel. Ob und wann gebaut wird, steht aber noch in den Sternen.

Jeder kennt
ein Kind,
das nicht an seine Wunschschule kommt.

Die CDU geht das Thema forsch an. Sie hat in allen vier S-Bahn-Gemeinden einen Antrag eingebracht, „um ein Zeichen zu setzen“, wie der Kreistagsabgeordnete und Mitinitiator Mario Müller aus Schönfließ formulierte. Unter dem Titel „Sicherung ausreichender Kapazitäten im Schulentwicklungsplan“ werden die Bürgermeister in Birkenwerder, Hohen Neuendorf, Glienicke und Mühlenbecker Land gebeten, „proaktiv den Neubau eines mindestens dreizügigen Gymnasiums in den vier Kommunen zu fordern“, um eine Überbelastung bestehender Schulstandorte zu vermeiden.

„Jeder kennt ein Kind, das nicht an seine Wunschschule kommt“, berichtete die Kreistagsabgeordnete und Gemeindevorsteherin Katrin Gehring (CDU) in der Gemeindevertretersitzung in Birkenwerder. Das Hohen Neuendorfer Mare-Curie-Gymnasium und die Regine-Hildebrandt-Gesamtschule in Birkenwerder könnten trotz Erhöhung der Klassenzahl nicht alle Kinder aufnehmen. Auch die Dr. Hugo-Rosenthal-Oberschule in Hohen Neuendorf und die Käthe-Kollwitz-Gesamtschule in Mühlenbeck hätten mehr Erstwünsche als Plätze, so Katrin Gehring. Das private Neue Gymnasium Glienicke sei ebenfalls begehrt. „Wer keinen Platz bekommt, wird nach Oranienburg geschickt. Das Runge-Gymnasium wird zur Auffangschule“, sagte die Gemeindevorsteherin.

Zuzug erhöht den Druck

„Der Druck wird weiter steigen“, prophezeit Mario Müller, CDU-Fraktionschef im Mühlenbecker Land. Das würden die Zahlen in den Kitas zeigen. „Wir bekommen durch den enormen Zuzug immer mehr Kinder, von denen viele später aufs Gymnasium wollen.“ Deshalb sollte umgehend mit der Planung eines Neubaus begonnen werden.

Hintergrund ist die Fortschreibung des Schulentwicklungsplans für den Landkreis Oberhavel, die derzeit vorbereitet wird. Demnächst werden die Kommunen das umfangreiche Zahlenwerk bekommen. Sie werden zu einer Stellungnahme aufgefordert. „Bei unserem Antrag geht es darum, dass alle Kommunen Druck aufbauen. Wir brauchen ein weiteres Gymnasium“, erläuterte Gehring.

Der Plan ging nicht ganz auf. Die Gemeindevertreter von Birkenwerder änderten den CDU-Antrag. Der Bürgermeister soll sich jetzt zwar für den Bau einer neuen Schule in den S-Bahn-Gemeinden einsetzen. Er soll sich aber nicht nur für ein Gymnasium, sondern auch für eine Oberschule oder eine Gesamtschule stark machen. Dieser Antrag kam ohne Gegenstimme durch.

Im Mühlenbecker Land kam den Antrag unverändert durch. „Der Antrag ist nicht schädlich, verändert aber nichts an der politischen Entscheidungsfindung“, fasste der Schönfließer Gemeindevorsteher Harald Grimm (SPD) zusammen. Denn in dieser Sache entscheide der Landkreis, es sei bereits alles in Gang. Bürgermeister Filippo Smaldino (SPD) hat nach eigenen Angaben bereits Anfang Mai dem Landrat mitgeteilt, ein Grundstück am S-Bahnhof Schönfließ zur Verfügung zu stellen. Deshalb hält er den Antrag der CDU nicht für notwendig. Die CDU will aber den Druck erhöhen, machte das Grundstücksangebot jetzt öffentlich bekannt. Mario Müller kann sich gut vorstellen, eine neue Schule am S-Bahnhof Schönfließ zu bauen. Dort gebe es ein Grundstück zwischen Sportplatz und Bahnwärterhaus, das schnell zur Verfügung stehe, so Müller. Es befinde sich nicht im Landschaftsschutzgebiet, was die Planungen beschleunige. Auch der S-Bahn-Anschluss und der nahe Sportplatz für Bergfelde seien vorteilhaft. „Mein Ziel ist es, dass dort in vier bis fünf Jahren ein Gymnasium steht“, kündigte Müller im Gespräch mit unserer Zeitung an.

Waldorf-Initiative gibt auf

Eigentlich wollte dort die Freie Waldorfschule in der Gemeindeschaft Schönfließ eine landwirtschaftsgeprägte Schule bauen. Doch die Pläne des Vereins „Schulfreunde“ haben sich inzwischen in Luft aufgelöst. Im November hat sich die Initiative aufgelöst. Sie ist nach eigenen Angaben an den restriktiven Vorgaben des Bildungsministeriums gescheitert.

Dass der CDU-Antrag das Parlament vom Mühlenbecker Land unverändert passierte, begrüßt der Bürgermeister. Er sieht sich dadurch in seinem Kurs bestärkt, einen weiteren Schulstandort in der Gemeinde zu etablieren.

In Hohen Neuendorf war in der Stadtverordnetenversammlung am Dienstag von konkreten Standorten nicht die Rede. Auch der CDU-Antrag wurde mehrheitlich abgelehnt. Vor allem diejenigen Stadtverordneten, die auch Kreistagsmitglieder sind, äußerten sich über das Vorgehen irritiert. Da der Beschluss auf Kreisebene getroffen werde, solle dem auch nicht vorgegriffen werden.

„Ja, die Kapazitäten reichen nicht“, sagte etwa Thomas von Gizycki (Bündnis 90/Die Grünen). „Wir brauchen drei neue Schulzüge. Aber beim Kreis ist das doch richtig angesiedelt.“ Ob es ein Gymnasium oder ein anderer weiterführender Schultyp werden soll, sei auch noch nicht klar. Auch Jutta Lindner (SPD) fand den Antrag überflüssig. Der Schulentwicklungsplan des Kreises werde turnusmäßig alle fünf Jahre fortgeschrieben, und die Diskussion um einen Schulstandort in den S-Bahn-Gemeinden werde bereits an der richtigen Stelle geführt.

Gerangel befürchtet

Ein weiteres Gymnasium sei zwingend notwendig, erklärte dagegen Jan Alexy (CDU). Vor allem solle ein Signal gesetzt werden, indem der Bürgermeister gebeten wird, sich dafür einzusetzen. Das tue er sowieso, versicherte Steffen Apelt (CDU), und davon zeigten sich auch andere Stadtverordnete überzeugt. Dem hielt CDU-Fraktionschef Florian Hübner entgegen, dass die Stadt auch beim S-Bahn-Takt Beschlüsse fasse, ohne direkt zuständig zu sein, eben um Zeichen zu setzen. „Es gibt einen massiven Bedarf, und den möchten wir nach außen tragen.“ Dass laut Antrag bereits ein geeigneter Standort gesucht werden soll, sei der zweite Schritt vor dem ersten, kritisierte Lukas Lüdtke (Linke). „Die Schule kommt ja nicht übermorgen. Wir müssten ja auch eine Fläche freihalten. Außerdem finden alle vier Bürgermeister ein Grundstück in ihren Gemeinden, und dann geht der Krach um den Standort los.“ Christian Erhardt (FDP) erklärte ebenfalls, „Gerangel“ um den Standort sei zu vermeiden. Mit 11-Ja und 18-Neinstimmen fiel der Antrag durch.

Glienickes Gemeindevertreter lösten das Thema elegant. Sie verwiesen den CDU-Anttrag in den Sozialausschuss. Dort soll das Thema beraten werden, wenn die Faktenlage besser ist. Bürgermeister Hans Günther Oberlack (FDP) erinnerte im Gespräch mit dieser Zeitung an die Erweiterungsmöglichkeiten des Neuen Gymnasiums in Glienicke. Das Gebäude sei so gebaut worden, dass ein viertes Stockwerk problemlos aufgesetzt werden könnte. In den Aufgängen sind bereits im dritten Geschoß Treppenelemente eingebaut. Die werden derzeit als Abstellflächen genutzt.

Interessante Historie aus Oranienburg (I)

OGA vom 01.06.2021 Oranienburg

Bürgermeister wird verhaftet und seines Amtes enthoben

Serie Der Historiker Bodo Becker hat die Straßennamen der Kreisstadt unter die Lupe genommen. Dabei entdeckt er so manches Geheimnis aus der Vergangenheit. Teil 10/Ende

In den 1950er Jahren bereits ein weithin sichtbares Wahrzeichen der Stadt: der historische Kornspeicher.Fotos (2): Archiv Bodo Becker

Bodo Becker

ommen wir zur Adolf-Dechert-Straße, so benannt seit 2005. Der Namensgeber Dechert (1875 bis 1958) hatte im Mai 1945 kurzzeitig das Amt des ersten Bürgermeisters inne. Im Juni 1948 wählte man das städtische Gründungsmitglied der CDU zum Stadtoberhaupt. Schon wenige Monate später wurde er von sowjetischen Behörden verhaftet und seines Amtes enthoben.

Bank, Kino und Rathaus

Der Begriff „Steg“ wurde abgelehnt, da aus dem Fußgängerübergang eine Fahrzeugbrücke hätte werden können.

Doch schauen wir nun in die Mitte des 19. Jahrhunderts. Der nach 1850 zugeschüttete Stadtgraben gab der Straße ihren Verlauf zur Havel (bereits erwähnt in Teil 6). Am 1. März 1884 zog die Kaiserliche Post in das Eckhaus der Berliner Straße und inspirierte zwei Jahre später den Magistrat zur Namensgebung. Und obwohl sie ab 1. April 1900 an die belebte Bernauer Straße in das heutige MBS-Gebäude umzog, behielt die Poststraße ihren Namen bis zur Umbenennung. In der kurzen Straße befanden sich zeitweilig die Oranienburger Bank, die Präparandenanstalt (Vorbereitungsschule für das Lehrerseminar), ein Kino und von 1923 bis 1952 das Oranienburger Rathaus im Gebäude der geschlossenen Präparandenanstalt.

Wir durchlaufen die Straße in Richtung Havel und gelangen zum 1911/12 gebauten Louise-Henriette-Steg. Sein 1895 entstandener hölzerner Vorgänger stand bis zur Havelbegradigung etwas näher zur Havelstraße und hieß im Volksmund wegen seines „steilen“ Übergangs Schwindsuchtbrücke. Einen amtlichen Namen gab es wohl zunächst nicht, denn das Adressbuch von 1912/13 führt nur einen Bahnhofsweg als Verbindung zur Lehnitzstraße an.

Diskussionen in der SVV

Am 30. Juni 1915 kam es auf der Stadtverordnetenversammlung darüber zu einer Diskussion. Der Vorschlag des Magistrats, Luisensteg, war auf Ablehnung des Stadtverordnetenvorstehers Edmund Kienast gestoßen. Er hielt die Bezeichnung „Steg“ für nicht angemessen, weil nach seiner Meinung in einigen Jahren aus dem Fußgängerübergang ohnehin eine Fahrzeugbrücke werden würde. Andere Abgeordnete wandten sich gegen die wiederholte Verwendung des Namens Luise. „Prinzenbrücke“ als Kompromiss fand keine Zustimmung. Schließlich einigte man sich auf den Vorschlag von Kienast: Luisenbrücke. Doch der Name setzte sich offenbar nicht durch: Eine Ansichtskarte der Serie Heimatbilder (herausgegeben von der Heimatkundlichen Vereinigung) betitelte sie 1925 noch einfach als Fußgängerbrücke; Rehberg nannte sie 1927 Luisensteg; im Adressbuch von 1928 finden wir Brücke und Weg schlicht als Straße 18; es folgte 1937 Louise-Henriette-Steg; 1938 bis 1992 dann Luise-Henriette-Steg. So kam es, dass wir in Oranienburg „Stege“ und Brücken haben (bereits erwähnt in Teil 5).

Pferdeinsel statt Volkspark

Lassen wir die zierlich erscheinende Brücke mit den Bögen hinter uns und gehen die ersten Schritten durch die vor uns liegende hohe Baumallee, ebenfalls Louise-Henriette-Steg (richtiger wäre Steig) genannt, so kommen wir am Gelände der 1912 gebauten und 1966 geschlossenen hölzernen Badeanstalt (Freizeithafen) vorbei. Bis 1910 machte die Havel hier einen ausladenden Bogen, sodass mit dem Durchstich im Zuge der Begradigung eine Insel, genannt Inselwiese, entstand. Die Badegäste nutzten sie, über einen hölzernen Steg erreichend, als idyllische Liegewiese. Mit dem Arbeitseinsatz von KZ-Häftlingen wollte die Stadverwaltung 1933/34 einen „Volkspark Inselwiese“ anlegen. 1945 weideten dann Pferde auf ihr, sodass der noch immer bestehende Name Pferdeinsel aufkam. Das Verlanden des Havelaltarms ließ den reizvollen Inselcharakter verschwinden. Geblieben ist ein grüner Spiel- und Erholungsraum an der Havel inmitten der Stadt.

Nach kurzer Zeit erreichen wir die Lehnitzstraße und biegen dann in die Willy-Brandt-Straße zum Bahnhof ein, wo unser Rundgang durch die Stadt im 1. Teil begann. Ende

Interessante Historie aus Oranienburg

OGA vom 26.05.2021 Oranienburg

Ein namensgebender Wunsch
und ein Galgenberg

Serie Der Historiker Bodo Becker hat die Straßennamen der Kreisstadt unter die Lupe genommen. Dabei entdeckt er so manches Geheimnis aus der Vergangenheit. Teil 9

Die Kremmener Straße mit den Werkshäusern der ersten deutschen Stahllederfabrik von „Heintze & Blanckertz“.Fotos (2): Archiv Bodo Becker

Bodo Becker Previous Next D

as Gebiet südöstlich der Berliner Straße bis zur Havel nannte man noch in den 1920er Jahren Berliner Feld. Bemerkenswert ist hier der noch vor hundert Jahren vorhandene Flurname Hammelplan.

Das Areal zwischen der heutigen Robert-Koch-Straße und der Isarstraße war Besitz der Fleischerinnung gewesen, die es 1823 bei der Neuordnung des Grundbesitzes (Separation) als Weideplan erhalten hatte. Hier befand sich auch der Gutsbezirk Havelhausen, der dem Berliner Unternehmer Gustav Ebell (gestorben 1916) gehörte. Schon vor dem 1. Weltkrieg hatten Ebell und sein Gutsverwalter Max Drope für die Erschließung und Bebauung des Geländes eine Straße und eine Havelbrücke geplant. Im Auftrag von Ebell führte der Verwalter die notwendigen Verhandlungen für die Realisierung mit dem Magistrat und den Behörden in Potsdam. Nach ihrer Fertigstellung 1913 verläuft diese als Ringstraße von der Kurfürstenstraße (André-Pican-Straße, Abzweig Dr.-Heinrich-Byk-Straße) über die Lehnitzstraße bis zur errichteten Havelbrücke, die man als Kaiser-Wilhelm-Brücke einweihte. Von hier trug sie durch das Berliner Feld bis zur Berliner Allee (Berliner Straße) den Namen Gustav-Ebell-Straße. Damit hatte die Stadt  ihre erste Umgehungsstraße bekommen.

1922 schraubte man das gusseiserne Namensschild ab und die Havelbrücke erhielt einige Jahre später den Namen Ringstraßenbrücke. Die Abstimmung im Jahre 1935 über die Zugehörigkeit des Saarlands zum Deutschen Reich brachte mit Saarlandstraße und Saarlandbrücke neue Namen. 1945 fielen die Brückenteile nach einer Sprengung durch die Waffen-SS in die Havel. Erst 1990 konnte die unterbrochene Umgehungsstraße mit einem Brückenneubau, bezeichnet als Havelbrücke Saarlandstraße, wieder geschlossen werden. Bei den Brückenprüfungen ab 2000 setzte sich dann der Name Dropebrücke durch. Ende 2019 konnte anstelle der rückgebauten Brücke die neue Dropebrücke eingeweiht werden.

Zwischen der rückseitigen Begrenzung des Stadtfriedhofs und dem Oranienpark (ehemals Gelände der Stahlfederfabrik „Heintze & Blanckertz“) verläuft die Friedensstraße (1920 Frieden­straße). Der Name sollte nicht nur einen Wunsch ausdrücken, sondern bezog sich auch auf die anliegenden Friedhöfe als Orte des Friedens (bereits erwähnt in Teil 7).

Die Bebauung an der Ecke Friedens- und Kremmener Straße geschah in den 1920er Jahren mit Werkshäusern der Stahlfederfabrik. In den Häusern mit ausgebautem Dachgeschoss wohnten jeweils drei Familien. Zu jeder Wohnung gehörte ein kleines Stück Gartenland. Die 1912/13 errichteten Fabrikgebäude (bis 1990 VEB Kaltwalzwerk, heute „Oranienwerk“) lehnen sich mit ihrer Fassadengestaltung sichtbar an das Waisenhaus an. Bevor in ihnen Generationen von Industriearbeitern ihren Lebensunterhalt verdienten, verrichtete der Müller Hermann Iden auf dem noch unbebauten Grundstück bis 1911 mit der letzten Oranienburger Bockwindmühle sein Tagwerk. Wie der Müller galt in der mittelalterlichen Ständegesellschaft auch der Scharfrichter als „unehrlicher“ Beruf. Ballhorn schreibt 1850 in seiner Stadtgeschichte: „Auch ein Galgen muß bei Bötzow gestanden haben… Vor dem Nauener Tore, in der Gegend des jetzt zur Windmühle gehörigen Gartens, lag nach einer Karte vom Jahre 1720 der Garten am Galgenberg“. Zufall?

Fortsetzung folgt…

Das Kultur- und Landprojekt „Kunst uns Beeren“ in Kremmen geht wieder an den Start

Der OGA von Heute titelt hiezu wie folgt:

Keine Corona-Hilfe für „Kunst & Beeren“

Pandemie Das Kultur- und Landprojekt in Kremmen stand kurz vor dem Aus. Doch jetzt geht es wieder voran.

Katrin Sprenger und Jan Kühling von „Kunst & Beeren“ in Kremmen. Auch der mögliche Tourismus-Preis in Brandenburg half ihnen nicht, wegen Corona waren sie kurz vor dem Aus.

Marco Winkler

Kremmen. Den Winter haben sie unter einer Glaskugel verbracht. Das erzählt Katrin Sprenger. Zusammen mit ihrem Partner Jan Kühling hat sie vor gut zwei Jahren das Wiesencafé „Kunst und Beeren“ am Ruppiner Kanal eröffnet. 2020 waren sie für den brandenburgischen Tourismuspreis nominiert. Im August 2020 war vorerst Schluss für den erfolgreichen Kultur-Start auf dem Land. Im Winter blieben nichts als Spekulationen und Enttäuschungen. Nun blicken beide nach vorne, schon Ende Mai wird es wieder Kultur geben.

„Seit September leben wir von Ersparnissen“, sagt die gelernte Grafikerin. Staatliche Hilfen hat das Kultur- und Landwirschaftsprojekt keine bekommen. „Wir fallen als Saisonbetrieb durch sämtliche Raster.“ Kultur? Keine Unterstützung, weil Veranstaltungsort. „Für Landwirtschaft gab es nichts.“ Gastronomie? „Nein, auch da nicht. Wir waren wirklich kurz davor, aufzuhören. Jan war der treibende Kern“, gibt Katrin Sprenger zu. Beide hatten sie ihre Jobs aufgegeben, um die Kultur aufs Land zu bringen.

Hofladen ist schon geöffnet

Seit dem 23. April sind das Wiesencafé und der Hofladen wieder offen, immer freitags (14 bis 19 Uhr) bis sonntags und feiertags (13 bis 19 Uhr) „Die Leute haben gekauft, sind rumgelaufen, konnten Tiere beobachten. Sie waren wirklich dankbar, das hat uns einen Kick gegeben und am Ende Hoffnung.“ Dennoch hat das Paar zur Sicherheit einige geplante Events schon in den Juni verschoben. Die Unsicherheit war groß.

Doch der Blick nach Berlin stimmt das Paar optimistisch. Dort ist ein weiterer Stufenplan bekanntgegeben worden, nach dem ab 4. Juni Außenveranstaltungen für bis zu 500 Menschen möglich sein sollen. Erst ab 250 Gästen soll dann eine Corona-Testpflicht bestehen. Darunter könnte sie entfallen, wenn das Hygienekonzept stimmt. „Wir hoffen, Brandenburg zieht mit der Regel nach“, sagt Katrin Sprenger.

Auf dem Kultur-Hof am Kanal geht es voran: Im Winter hat das Berliner Paar Land dazugekauft. Es gibt eine Gänse- und eine Schafsweide sowie zahlreiche Hühner. Im Lehr- und Schaugarten sind rund 50 Gemüsesorten und Kräuter angebaut. Ökologische Landwirtschaft soll Kindern (erste Schulklassen schauen im Juni vorbei) und Erwachsenen nähergebracht werden. „Wir sind jetzt bei zwei Hektar Land.“ Darunter fallen 1500 Quadratmeter Veranstaltungsfläche. Genug Platz für corona-konforme Begegnungen.

Lesung, Musik und Comedy

Über den Fonds Soziokultur gab es für das Projekt „Landkultur 4.0“ Zuschüsse für Lesungen, Konzerte und Comedy. Von 250 Projekten wurden 30 ausgewählt. Deshalb der ungewöhnliche Preis für Musik und Lesung: 7,25 Euro pro Karte. „Wir dürfen daran nichts verdienen. Aber das ist okay. Wir wollen nicht reich werden.“  Am 29. Mai geht es auf dem Hof wieder mit Kultur los. „Wir werden Corona-Tests für die Gäste hinterlegen.“ win

Land Brandenburg ändert Teststrategie an den Schulen

Der OGA von Heute schreibt hierzu:

22.05.2021 Brandenburg

Land ändert Teststrategie an den Schulen

Schülerinnen und Schüler im Präsenzunterricht müssen in Brandenburg regelmäßig Corona-Selbsttests machen. Nun hat das Bildungsministerium die Regeln dafür überarbeitet. (Symbolbild)

Jörg Carstensen/dpa

Potsdam. Ohne negativen Corona-Test ist kein Betreten der Schule möglich – das gilt in Brandenburg seit dem 19. April für Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und alle anderen. Angesichts stark sinkender Inzidenzen sowie einer größeren Zahl von Geimpften und von Corona Genesenen stellt sich nun die Frage nach einer Überarbeitung der Teststrategie. Das Bildungsministerium hat nun reagiert und die Regeln in einigen Punkten verändert.

Neu ist, dass vollständig geimpfte Personen sowie von Corona Genesene keinen negativen Test vorlegen müssen, um die Schule zu betreten, wie es in einem offiziellen Schreiben des Ministeriums heißt. Der Impfstatus ist demnach per Impfausweis zu belegen.

Menschen, die eine Corona-Infektion hinter sich haben und symptomfrei sind, können sich per Genesungsnachweis das Testen sparen. Als Genesungsnachweis gilt laut Ministerium ein positiver PCR-Test, der mindestens 28 Tage und höchstens sechs Monate alt ist.

Auf die Frage dieser Zeitung, ob die Testpflicht an den Schulen angesichts stark sinkender Infektionszahlen eingeschränkt oder ausgesetzt werden könnte, erklärte Ministeriumssprecherin Ulrike Grönefeld: „Nach derzeitigem Stand ändert sich hier bis zu den Sommerferien nichts mehr.“ Für Schüler heißt dies, dass sie in einer Woche mit Präsenzunterricht zweimal einen Corona-Selbsttest machen müssen.

Brandenburgs Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) hatte diese Woche eine Öffnung der Schulen für den Präsenzunterricht noch vor den Sommerferien in Aussicht gestellt, sollten sich die Inzidenzzahlen weiter positiv entwickeln. mat

Wer soll in Brandenburg künftig Impfen?

OGA vom 06.05.2021 Brandenburg

Streit um die Zukunft der Impfzentren

Pandemie Brandenburg steht vor der Frage, wer künftig die Vakzine verabreichen soll. Gerade jetzt, wo mehr Impfstoff nach Brandenburg kommt, eskalieren die Verteilungsprobleme. Die Landkreise wollen sich nicht rausdrängen lassen.
Von Ulrich Thiessen

Haben die Impfzentren wie dieses hier in Frankfurt (Oder) bald ausgedient? Darüber entscheidet ein Impfgipfel in der Staatskanzlei von Brandenburg am kommenden Montag.

Bernd Settnik/dpa

Endlich soll deutlich mehr Impfstoff nach Brandenburg kommen – die Landesregierung sieht deshalb aber einen drohenden Engpass in den Arztpraxen. Um das Ziel des Impfangebots für alle bis September zu schaffen, müsse es ab dieser Woche 100.000 Impfungen pro Woche bei den niedergelassenen Ärzten im Durchschnitt geben, sagte Innenminister Michael Stübgen (CDU) am Mittwoch im Gesundheitsausschuss des Landtags in Potsdam. „Das ist eine enorme Belastung.“ In den Impfzentren müsse es mindestens 50.000 Impfungen pro Woche für Mai und Juni geben.

Die Kassenärztliche Vereinigung (KVBB) habe allerdings angekündigt, sie sei wegen der Impfungen in Arztpraxen nicht in der Lage, langfristig alle Impfzentren offenzuhalten. Im Gespräch sei, dass Landkreise die Zentren komplett übernehmen. Der Minister warnte, es könne sein, dass Impfzentren unter bestimmten Umständen wochenlang leer stünden. Als positive Nachricht nannte er aber: „Wir bekommen jetzt wirklich genug Impfstoff.“ Für Brandenburg sind im Mai nach Prognosen des Bundesgesundheitsministeriums rund 298.000 Impfdosen geplant, für Juni rund 376.000 Impfdosen. Am kommenden Montag sollen in einer Runde mit Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) die Wogen wieder rund um die brandenburgische Impfstrategie geglättet werden. Auf einem landesweiten Impfgipfel geht es vor allem darum, den Streit zwischen der Kassenärztlichen Vereinigung und den Landkreisen um die Verteilung der Impfdosen beizulegen.

Kassenärzte
wollen mit
Woidke allein reden.

Die KVBB forderte vorher ein Treffen mit dem Regierungschef ohne die anderen Beteiligten – einen „ärztlichen Impfgipfel“, wie der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Peter Noack erklärte.  Er betonte, dass die Hausärzte schneller und effektiver die Impfstoffe an den Mann bringen können. Außerdem nehme die Bereitschaft der Kollegen ab, in den Impfzentren zu arbeiten. Noack betonte, dass man nicht die sofortige Schließung der Impfzentren fordere. Schließlich seien noch Termine bis Mitte Juni dort gebucht, die nicht, ohne viel Frust zu verursachen, neu verteilt werden könnten. Aber es müsse jetzt über die Zukunft der Impfzentren geredet werden, fordert Noack.

Am Dienstag hatte der Landkreistag seine Forderungen für den Impfgipfel aufgestellt.  In einem Schreiben an die Staatskanzlei und den für das Impfen zuständigen Innenminister heißt es, dass das Agieren der KVBB mit großer  Besorgnis betrachtet werde. Angesichts steigender Lieferungen an Impfdosen müsse an allen Teilen der Impfstrategie festgehalten werden. Einzig von den mobilen Teams des DRK, die zurzeit noch ambulante Behinderteneinrichtungen anfahren, ist in den Überlegungen der Kreise keine Rede mehr.

Die Landräte verlangen, dass die Impfzentren über den 30. Juni hinaus, wenn die Verträge für deren Betreibung auslaufen, weiter betrieben werden. Schließlich gebe es Teile der Bevölkerung, die keinen Hausarzt haben und die deshalb über Impfzentren besser zu erreichen seien. Das betreffe vor allem jungen Menschen.  Zudem sei in einigen Regionen die Versorgung mit Hausärzten lückenhaft.

Einzelne Landräte hatten zudem vorgeschlagen, die rund 330 Arztpraxen, die in einem Modellprojekt seit März Impfstoffe erhalten, nicht mehr aus dem Kontingent des Landes zu bedienen. Die betroffenen Ärzte könnten inzwischen ausreichend über Apotheken beliefert werden. Die KVBB kontert mit einem entgegengesetzten Vorschlag. Sie könnte sich vorstellen, dass der Bund die Impfdosen künftig nur noch über die Großhändler und Apotheken an die Ärzte verteilt – ohne Kontingente, die über die Länder laufen. Angesichts solcher Debatten  wollen die Landräte eine Garantie erwirken, dass ihre kommunalen Impfprojekte weiter ausreichend mit Impfstoffen beliefert werden. Dazu zählen die Krankenhäuser, die in einigen Kreisen als Impfzentren fungieren oder Impfbusse und Verträge mit niedergelassenen Ärzten über Kreiskontingente.

In einem internen Papier des Landkreistages wird dem Land Brandenburg der Vorwurf gemacht, künftig nur noch Impfstoffe an die Kreise abgeben zu wollen, wenn vor Ort mobile Teams für die ländlichen Räume zusammengestellt werden. In der Landesregierung ist in diesem Zusammenhang von „sozialem Impfen“ die Rede. Gemeint sind mobile Teams, die in den Kommunen Impfangebote für diejenigen unterbreiten, die den Aufwand scheuen, in Impfzentren zu gehen oder Ärzte aufzusuchen.

Intern wird auch gestritten, wer welchen Impfstoff verwenden darf. Das zuständige Innenministerium hatte schon im April signalisiert, dass die Impfzentren kein Astrazeneca mehr verimpfen sollen, da die Zweitimpfungen ein Vierteljahr später erfolgen und dann diese Einrichtungen schon geschlossen sein könnten. Deshalb sollten die Hausärzte verstärkt Astrazeneca verimpfen. Die bestellen aber bis auf die 330 in Modellpraxen ihren Impfstoff direkt über den Großhandel und  Apotheken.

Für kommenden Montag wird eine Einigung erwartet, wie die bisherige Strategie des Landes fortgesetzt wird. Die Landkreise erwarten zudem wöchentliche Informationen über die Verteilung der zur Verfügung stehenden Impfdosen. mit dpa

Impf-Zertifikat mit QR-Code soll in Brandenburg noch im Mai starten

Die Kassenärztliche Vereinigung Brandenburg (KVBB) will noch im Mai ein Impf-Zertifikat für Personen erproben, die zweimal gegen das Coronavirus geimpft worden sind. Das erklärte der stellvertretende Vorstand Holger Rosteck am Mittwoch in Potsdam. Aktuell werde zusammen mit Thüringen an einem entsprechenden Modell gearbeitet. Ziel ist es, dass in den Arztpraxen ohne viel bürokratischen Aufwand ein Blatt mit einem QR-Code an vollständig geimpfte Personen ausgegeben werden kann. Diejenigen, die in Impfzentren geimpft wurden, sollten das Zertifikat zugeschickt bekommen.

Mit dem Code könnte in Restaurants oder an Flughäfen eingecheckt werden. Später soll der Code in einer App hochgeladen werden können. Rosteck versicherte, dass bis Ende Mai spätestens die technischen Voraussetzungen geschaffen werden sollen. Ziel sei, zu Beginn der Feriensaison den geimpften Brandenburgern das Zertifikat zur Verfügung zu stellen. Unklar ist noch, ob diejenigen, die bereits in Praxen ihre zwei Impfungen erhalten haben, noch einmal zu ihrem Arzt gehen müssen, um das Zertifikat zu erhalten.

Das Impftempo in Brandenburg nimmt zu. Der Impfstoff Astrazeneca ist für Personen, die jünger als 60 Jahre sind, zur Verimpfung in Arztpraxen freigegeben. Wer ihn bekommt, darf in den Praxen ab sofort frei entschieden werden.

Eine Auswahl impfender Arztpraxen findet sich im Internet unter www.kvbb.de/pilotpraxen.

Corona: die Inzidenz sinkt weiter – im Landkreis OHV sind Lockerungen möglich

OGA vom 06.05.2021 Titel

Inzidenz sinkt weiter:
Lockerungen im Landkreis

Corona Der Sieben-Tage-Inzidenzwert in Oberhavel bleibt unter 100. Damit stehen Öffnungsschritte bevor. Die Corona-Testpflicht wird gelockert. Von Marco Winkler

Am Freitag wird die Bundesnotbremse außer Kraft gesetzt. Es braucht dann kaum noch Corona-Tests.

Marco Winkler A

bstand, Maskenpflicht und eine umfangreiche Teststrategie des Landekreises zahlen sich offenbar aus: Am Mittwoch lag die Inzidenz am fünften Werktag infolge unter der 100er-Marke (78,4). Damit tritt die Bundesnotbremse außer Kraft. Ab Freitag, 7. Mai, greifen Lockerungen, die Ausgangsbeschränkung wird aufgehoben. Erste Öffnungsschritte stehen (erneut) dem Einzelhandel bevor. Die Pflicht, einen tagesaktuellen negativen Corona-Test vorlegen zu müssen, entfällt ab Freitag für Friseure, den Tierpark Germendorf, der eigens ein Testzentrum am Eingang eingerichtet hatte, und den Schlosspark Oranienburg.

Es können sich auch wieder mehr Menschen privat und öffentlich treffen. Durfte bisher nur eine Person aus einem weiteren Haushalt empfangen werden, sind es ab Freitag maximal fünf Menschen aus zwei Haushalten, die zusammenkommen dürfen. Kinder unter 14 Jahren werden nicht mitgezählt.

Shoppen und Friseurbesuche ohne einen
Corona-Test sind wieder möglich.

Wieder „Click & Meet“

Nach mehreren Wochen „Click & Collect“ im Einzelhandel, wo die zuvor bestellte Ware nur abgeholt werden konnte, gilt beim Shoppen nun wieder „Click & Meet“ – nach vorheriger Terminbuchung darf mit Maske (und ohne Test) eingekauft werden. Inhaber müssen 40 Quadratmeter pro Kunde freihalten. In Apotheken, Drogerien, Buchhandlungen, Bau- oder Gartenmärkten unter 800 Quadratmeter sind es zehn Quadratmeter pro Kunde.

Der Besuch von Kosmetik- und Nagelstudios, Massagepraxen und Tattoo- sowie Sonnen-Studios ist nun wieder erlaubt. Einen negativen Corona-Test braucht es dafür nicht. Die Ausnahme bildet die Gesichtskosmetik, hier muss ein Test vorgelegt werden.

Der Sportbetrieb auf und in allen Sportanlagen ist zwar weiter untersagt. Das heißt, Hallen, Fitnessstudios, Tanzstudios und -schulen sowie vergleichbare Einrichtungen bleiben geschlossen. Doch unter freiem Himmel ist der kontaktfreie Sport wieder mit bis zu zehn Personen möglich. Die Nutzung von Umkleiden und anderen Aufenthaltsräumen oder Gemeinschaftseinrichtungen bleibt untersagt. Für Kinder und Jugendliche bis 14 Jahren ist gemeinsamer Sport auf allen Sportanlagen unter freiem Himmel in dokumentierten Gruppen von bis zu 20 Kindern gestattet. Auf Golf, Reit- und Modellflugplätze dürfen zehn Personen (oder 20 Kinder) Sport ausüben.

Gedenkstätten und Museen sowie Bibliotheken dürfen wieder öffnen. Auch hier gilt: Terminvereinbarung, Abstand, Maske. Theater, Kinos, Spielhallen, Freizeitbäder wie die Turm Erlebniscity, Saunen und mögliche Bordelle in Oberhavel sowie Gaststätten, Bars, Cafés und Kneipen bleiben weiterhin geschlossen.

Die Lockerungen werden rückgängig gemacht, sobald die Inzidenz an drei Tagen hintereinander über 100 liegt. Die Zahl der Neuinfektionen bleibt jedoch niedrig. Innerhalb von 24 Stunden wurden am Mittwoch 14 neue Fälle gemeldet.

Massenentlassungen bei Sana Kliniken in Sommerfeld geplant

OGA vom 04.05.2021 S-Bahn-Gemeinden

Betriebsrat entsetzt über Kündigungen

Widerstand Nach der Ankündigung von Massenentlassungen bei den Sana Kliniken formiert sich Widerstand.

Protest formt sich gegen die Entlassungen in den Sana Kliniken Sommerfeld.

Dirk Nierhaus

Sommerfeld. „Mit großem Entsetzen“ hat der Betriebsrat der Sana Kliniken Sommerfeld über den Konzernbetriebsrat erfahren, dass die DGS pro.service GmbH bis spätestens 31. Dezember alle Geschäftsbereiche bis auf die Reinigung schließen wird. Dies teilte am Montagnachmittag auf Nachfrage   die Betriebsratsvorsitzende Manuela Weidner in den Sana Kliniken Sommerfeld mit. Kurz vor dem Wochenende hatte der Konzern mitgeteilt, an allen Standorten insgesamt 1000 Mitarbeiter zu entlassen.

Solidarität in Sommerfeld

Am Standort in Sommerfeld herrscht großes
Unverständnis über die Entscheidung.

Formal ist der Betriebsrat der Sana Kliniken Sommerfeld für die neun Kollegen der DGS pro.service GmbH am Standort Sommerfeld nicht zuständig, so Manuela Weidner. „Wir erklären uns aber mit den betreffenden Mitarbeitern solidarisch.“ Es sei nicht nachvollziehbar, „wie man gerade jetzt, mitten in der dritten Welle der Corona-Pandemie, mehr als 1000 Mitarbeiter entlassen kann, die doch so dringend für den reibungslosen Ablauf im Klinikalltag gebraucht werden“, so die Sommerfelder Betriebsratsvorsitzende.

Mit der Umsetzung dieser sehr weitreichenden Entscheidung gefährde die Sana AG in Ismaning „den ordnungsgemäßen Betrieb ganzer Krankenhäuser und somit kurzfristig aber auch langanhaltend den wirtschaftlichen Erfolg des gesamten Unternehmens“, so Manuela Weidner. In einem offenen Brief fordert die Konzernbetriebsratsvorsitzende der Sana Kliniken AG, Gudrun Hedler, die Konzernspitze auf, die Kündigung zurückzunehmen.

„Völlig unverständlich“

Dem Konzernbetriebsrat sei es „völlig unverständlich“, wie es zu so einer Entscheidung, „gerade in dieser angespannten Situation in unseren Häusern“, kommen konnte. Gudrun Helder: „Ohne die Kolleginnen und Kollegen an den Patienteninformationen, der Bettenreinigung, des Lagers und der Versorgungsdienste, ständen viele unserer Kliniken vor der Kapitulation. Wie wäre die Pflege und die medizinische Betreuung, die eh schon kaum zu leisten ist, denn überhaupt möglich ohne Stationshilfen und Patientenbegleitdienst?“ Am Standort  der Sana Kliniken in Sommerfeld herrsche, nach Aussagen einiger Mitarbeiter, allgemeines Kopfschütteln und Unverständnis über die Konzernentscheidung. bu

Schnell- und Selbsttests so wie Zähneputzen…

…. meint zumindest der OGA vom 27.02.2021 in seinem Beitrag:

27.02.2021 Thema des Tages

So wie Zähneputzen

Pandemie Schnell- und Selbsttests sollen helfen, Infektionsketten zu unterbrechen – so können sie im Alltag genutzt werden.

Von Hajo Zenker und Michael Gabel

So sehen die Utensilien für den Selbsttest aus.

Foto: Jens Schlueter/afp Previous Next M

ehr Schnelltests und ganz neu auch noch Selbsttests sollen der Verbreitung des Coronavirus entgegenwirken. Was wird das bringen, was wird das kosten? Fragen und Antworten.

Laientests helfen in einer
konkreten Situation, vor Konzertbesuchen oder Familienfeiern.

Jens Spahn Bundesgesundheitsminister

Kann ich mich mit einem Selbsttest von Corona-Maßnahmen befreien? Genau das soll nicht passieren. Für Lothar Wieler, den Präsidenten des Robert-Koch-Instituts, sind Selbsttests „keine Wunderwaffe, aber ein weiteres Werkzeug“ in der Pandemiebekämpfung. Sie ergänzten Maßnahmen wie Abstand und Maske, könnten sie aber nicht ersetzen. Für Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) können die Laientests in einer konkreten Situation helfen, „etwa vor Konzert- oder Restaurantbesuchen oder auch vor Familienfeiern“. Letztlich folgt das der Überlegung, dass man mit vielen Tests mehr Ansteckungen entdeckt, so Infektionsketten unterbrechen kann, die Corona-Verbreitung einschränkt – bis viele Impfungen das Virus schließlich massiv ausbremsen.

Was werden Selbsttests kosten? Offizielle Verkaufspreise gibt es noch nicht. Zu erwarten sind Endverbraucherpreise von zehn bis 15 Euro. Ursprünglich wollte Spahn die Tests für einen Euro abgeben, was den Haushaltspolitikern von Union und SPD sauer aufstieß. Weshalb er nun die tatsächlichen Preise abwarten will. Danach müsse man ausrichten, „ob und in welchem Umfang bezuschusst werden sollte“.

Wo kommen die Tests her? Bisher zugelassen sind zwei chinesische Produkte sowie ein Test von Siemens Healthineers, der in den USA produziert wird. Siemens will zunächst Bund und Länder, etwa für Schulen und Pflegeheime, beliefern. Ab Mitte März werde es den Test für jedermann geben. Die chinesischen Produkte, offenbar millionenfach auf Lager, dürfte man früher bekommen. Drogerieketten wie dm oder Discounter wie Aldi erklärten, „schnellstmöglich“ oder „in Kürze“ Tests anzubieten.

Was ist der Unterschied von Schnelltests und Selbsttests? Schnelltests werden von geschultem Personal durchgeführt. Dieses nimmt mit einem langen Stäbchen tief in der Nase oder im Rachen einen Abstrich. Das wird von vielen Getesteten als unangenehm empfunden. Dafür liegt dann im Unterschied zum genaueren PCR-Test bereits nach einer Viertelstunde ein Ergebnis vor. Das wird an das Gesundheitsamt gemeldet, man erhält einen Beleg. Den Selbsttest kann jeder allein durchführen. Bei den zugelassenen Tests reicht es, ein Bürstchen wenige Zentimeter in ein Nasenloch einzuführen, um eine Probe zu erhalten. Diese wird verdünnt und auf einen Teststreifen getropft. Dann wird auf ein rasches Ergebnis gewartet. Allerdings befinden sich unter den rund 50 Zulassungsanträgen auch Gurgel-, Spuck- und Lutschtests.

Wie sicher ist das? Auf dem Papier erstaunlich sicher. Siemens gibt an, dass in nicht einmal drei von 100 Tests ein falsch negatives Ergebnis vorkommen kann. Falsch positive Tests seien komplett ausgeschlossen. Aber das gilt nur, wenn die Gebrauchsanleitung befolgt wird. Die Notärztin Lisa Federle, die in Tübingen ein erfolgreiches Test-Konzept realisiert hat, fordert deshalb gute Aufklärung. Ein wichtiger Unterschied zu PCR ist, dass die Selbsttests vor allem bei hoher Viruslast anschlagen. Ein negativer Test muss also nicht heißen, dass man das Virus nicht schon in sich trägt.

Planen zum Beispiel Konzertveranstalter schon mit den Tests? Mit den Selbsttests nicht. „Mit Tests, die von Laien zu Hause durchgeführt werden, wird sich die erwartete Infektionssicherheit bei Veranstaltungen nicht gewährleisten lassen“, so der Präsident des Bundesverbands der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft, Jens Michow, zu dieser Zeitung. Man benötige „Schnelltests, die von Gesundheitsämtern als valide anerkannt werden“. Die müssten von geschultem Personal vor Ort durchgeführt, die Ergebnisse aufgezeichnet werden. Loslegen wolle man so bald wie möglich. Nur seien die versprochenen Schnelltests noch nicht auf dem Markt. „An den Kosten wird sich der Staat allerdings beteiligen müssen, denn weder Besucher noch Veranstalter werden sie alleine tragen können.“

Was ist, wenn ich mir den Selbsttest nicht zutraue oder er mir zu teuer ist? Dann muss man darauf hoffen, dass die eigentlich von Jens Spahn bereits ab 1. März versprochenen kostenlosen Schnelltests in Testzentren, Praxen oder Apotheken doch noch kommen. Die Entscheidung darüber ist auf den 3. März verschoben worden. Für Lisa Federle jedenfalls ist massenhaftes Testen der richtige Weg. Testen müsse so selbstverständlich werden wie Zähneputzen.

Heute im OGA: Kremmen koordiniert Impf-Fahrten

„04.02.2021 S-Bahn-Gemeinden

Kremmen koordiniert Impf-Fahrten

Corona Alle, die nicht selbst zum Impfzentrum fahren können, und die, die helfen wollen, sollen sich bei der Stadt melden.

Für Ältere ist es häufig eine Herausforderung, zum Impfzentrum zu gelangen.

Marco Winkler

Kremmen. Die Stadt Kremmen will die Impfkampagne unterstützen und die Koordinierung von ehrenamtlichen Fahrdienstleistungen übernehmen. Das teilt Andrea Busse mit. Unter der Überschrift „Kremmen hält zusammen!“ ruft die Verwaltung Freiwillige, die Fahrdienste übernehmen können, dazu auf, sich zu melden. „Auch wenn bisher nur wenige Kremmener einen Impftermin gegen das Covid19-Virus vereinbaren konnten, werden mit zunehmender Verfügbarkeit des Impfstoffes viele Impfwillige vor eine Herausforderung gestellt“, heißt es aus der Verwaltung. „Wie komme ich zu meinen Terminen? Wer selbst nicht mehr fahren kann oder möchte und dem der ÖPNV zu beschwerlich ist, der ist auf Hilfe angewiesen. Die Verwaltung möchte hier unterstützen und Hilfe organisieren, wie sie es zu Beginn der Pandemie bereits mit der Koordinierung einer Einkaufshilfe getan hat.“ Bürgerinnen und Bürger sollen sich melden, wenn sie einen Fahrdienst für ältere oder in ihrer Mobilität beeinträchtigte Mitbürger übernehmen können, erklärt Andrea Busse.

Alle, die einen Impftermin vereinbart haben und nicht selbstständig ins Impfzentrum fahren können, sollen sich ebenfalls melden. Die Stadt sammelt alle Anfragen unter der Rufnummer 033055 9980 und koordiniert den Fahrdienst. red“