Archiv der Kategorie: Umwelt

Der Wolf in Brandenburg – die einen wollen ihn schützen, die anderen erschießen – gibt es vielleicht noch einen anderen Weg?

OGA vom 16. Dezember 2023 BRANDENBURG

Dritter Anlauf gerät ins Stocken

Regelung

Brandenburgs Umweltminister Axel Vogel ist zweimal mit einem neuen Jagdgesetz gescheitert. Jetzt blockiert der Wolf die Novelle. Ministerpräsident Woidke erwartet, dass das Raubtier ins Jagdrecht aufgenommen wird.

Von Ulrich Thiessen

In der Landespolitik von Brandenburg wirft die Wahl im September 2024 ihre Schatten voraus. Die Parteien nehmen die mitgliederstarken Interessengruppen in den Blick. Bei der brandenburgischen SPD gehören die Landnutzer und die Jäger traditionell dazu. Und denen soll eine seit langem erhobene Forderung erfüllt werden: die Aufnahme des Wolfes ins Jagdgesetz.

Das Gesetz versucht Umweltminister Axel Vogel (Grüne) bereits zum dritten Mal zu novellieren. Die ersten beiden Entwürfe sind krachend gescheitert, unter anderem daran, dass die Jägerschaft gezwungen werden sollte, mehr Rehe und Hirsche zu schießen, damit sich junge Laubbäume ohne Befraß überall im Land vermehren können. Außerdem sollte der Einfluss der Jagdpächter zurückgedrängt werden.

Wie mit dem geschossenen Wolf und der Trophäe umzugehen wäre, ist auch noch unklar.

Inzwischen liegt ein dritter Entwurf vor, der mit den Landnutzern, die im Forum Natur organisiert sind, schon besprochen wurde. Auch wenn deren Wünsche nicht alle eingearbeitet wurden und die Landnutzer immer noch protestieren, könnte das Papier eigentlich auf den Weg gebracht und an die Ministerien zur Mitzeichnung verteilt werden. Das ist aber noch nicht passiert, wie Axel Vogel gegenüber dieser Zeitung einräumte.

Der Grund dafür: Die Staatskanzlei erwartet, dass der Wolf wie bereits in Sachsen und Niedersachsen auch in Brandenburg ins Jagdrecht aufgenommen wird. „Das wird mit mir nicht passieren“, erklärt Vogel dazu. Schließlich ist das nicht Teil der 2019 geschlossenen Koalitionsvereinbarung. In letzter Konsequenz gäbe es dann eben kein neues Jagdgesetz und bei den nächsten Koalitionsverhandlungen, wer immer die im Herbst 2024 führt, müsste darüber neu verhandelt werden.

Spannend ist die Frage, was sich mit der Aufnahme des Wolfes ins Jagdgesetz ändern würde. Für das graue Raubtier erst einmal gar nichts. Er ist so oder so eine streng geschützte Tierart. Zumindest so lange, bis Deutschland gegenüber der EU den sogenannten guten Erhaltungszustand der Art erklärt und dann Maßnahmen zur Bestandsregulierung – sprich dem gezielten Abschuss – ergriffen werden könnten, wie es die meisten Bauern und Jäger fordern. Aber das ist derzeit noch nicht in Sicht. Henrik Wendorff, Präsident des Landesbauernverbandes, plädiert dafür, dass man aber jetzt schon mal die Voraussetzung schaffen sollte, damit die Jäger dann regulierend in die Bestände eingreifen können.

Für den Landesjagdverband hätte die Aufnahme ins Jagdgesetz den Vorteil, dass der Jäger dann pro Forma auch für diese Art zuständig wäre und entsprechende Mitspracherechte bekäme. Außerdem wäre es leichter und rechtlich sicherer, angefahrenen Wölfen den Gnadenschuss zu geben.Axel Vogel befürchtet dagegen, dass eine entsprechende Regelung alles komplizierter mache. Wenn ein Wolf, weil er Nutztiere gerissen hat, zum Abschuss freigegeben wird, hätte der zuständige Jäger, in dessen Revier sich der Vorfall ereignete, die Aufgabe, ihn zu schießen. Bislang kann das Landesumweltamt einen Jagdberechtigten mit der Aufgabe betrauen.

Ist der Wolf im Jagdrecht verankert und der zuständige Jäger weigert sich, würde jeder andere Jäger, der das Raubtier schießt, quasi Wilderei begehen. Laut Vogel könnte alles bürokratischer werden. Geklärt werden muss dann auch, wie mit dem geschossenen Wolf und der Trophäe umzugehen ist. Bei Tieren, die im Jagdrecht stehen, gehören diese dem Jäger, jetzt im Falle des Wolfes dem Landesumweltamt.

Jagdrecht hin oder her, der Abschuss von sogenannten Schadwölfen soll bundesweit erleichtert werden. Darauf haben sich die Umweltminister der Länder mit dem Bund Anfang Dezember geeinigt. Demnach sollen sogenannte Schnellabschüsse möglich sein, wenn ein Wolf „zumutbar geschützte“ Nutztiere gerissen hat. Und das schon beim ersten Mal.

Bislang galt in Brandenburg, dass Schutzzäune mehrfach überwunden werden mussten, bevor ein Abschuss angeordnet werden konnte. Außerdem musste genetisch festgestellt werden, dass es sich bei wiederholten Rissen um denselben Wolf handelte. Das entfällt künftig. Die Abschussgenehmigung soll unbürokratisch und kurzfristig erteilt werden und für einen Radius von 1000 Metern um die Weide für drei Wochen gelten.

Im Landtag stellte Axel Vogel klar, dass die neuen Regelungen nicht ohne Tücken sind. Dazu muss eine neue Wolfsverordnung erarbeitet werden. Zu klären ist dabei, wo die neue Regelung gelten soll. Im Papier der Umweltminister ist von klar definierten „Gebieten mit erhöhten Wolfsrissen“ die Rede. Laut Vogel ist so eine Definition in Bayern mit seinen zwei Rudeln und zwei Wolfspärchen einfach. In Brandenburg wurden 2022 genau 62 besetzte Wolfsreviere registriert. Darum stelle sich hier die Frage, ob nicht das ganze Land als ein solches Gebiet definiert werden muss.

Rinderherde als Kälber-Schutz

Auch der zumutbare Herdenschutz muss neu definiert werden. Bislang wird in Brandenburg unter Schutz ein elektrischer Zaun von 1,20 Metern Höhe oder ein 90 Zentimeter hoher Zaun beim Einsatz von Herdenschutzhunden verstanden. Das galt in der Regel für Schafs- oder Ziegenherden. Nun muss auch geregelt werden, wie mit Kälbern umgegangen werden soll. Laut Vogel sollen nicht ganze Landschaften „verdrahtet“ werden. Deshalb müssten entweder speziell geschützte Weiden für Mutterkühe und Kälber eingerichtet oder die Herde an sich ab einer bestimmten Größe als Schutz der Jungtiere definiert werden. Vogel kündigte an, mit den Landnutzern ausführliche Gespräche zu führen, bevor die Wolfsverordnung überarbeitet wird.

Brandenburg und der Wolf – leider ein Streitthema

OGA vom 29. November 2023 OBERHAVEL

Dem Wolf auf der Spur

Natur

Ist es Isegrim oder doch ein Hund? Experten mit feinen Nasen folgen Fährten und schwärmen von magischen Momenten. Der Dauerstreit um das Wildtier bleibt für sie Nebensache.

Von dpa

Die Verwechslungsgefahr ist groß: Bürger wollen einen Wolf auf Wanderschaft gesehen haben und melden sich bei den Behörden – am Ende ist es doch nur ein großer Hund. Auch Paul Wernicke kann sich nicht immer hundertprozentig sicher sein, denn die Trittsiegel, also die Pfotenabdrücke, sind sehr ähnlich. Als Fährtenleser und Leiter einer Wildnisschule in Bad Belzig unterstützt der 45-Jährige das Wolfsmonitoring in Brandenburg. Seine Begegnungen mit dem Wolf beschreibt er so: „Es hat schon was Magisches, weil man den einfach nicht häufig sieht.“ Die meisten sicheren Wolfsnachweise erbringen aber Wissenschaftler, die im Labor anhand von Kot, Haaren und Speichelresten nach Weidetier-Rissen genetische Analysen durchführen.

Paul Wernicke und seine Begleiter Greg und Sebastian laufen an einem kühlen Herbstvormittag tief hinein in den Wald im Hohen Fläming im Südwesten Brandenburgs. Die Region, auch bekannt durch mehrere mittelalterliche Burgen, gilt als Naturidyll und wird als Paradies für Stillesucher beschrieben. Schon auf den ersten Metern zwischen Kiefernstämmen hindurch stoppt Wernicke, der sich für Vogelstimmen begeistert, immer wieder und horcht. Kohlmeise, Zaunkönig und Spechte sind hier zu Hause.

Die Region gilt als Naturidyll und wird als Paradies für Stillesucher beschrieben.

Die Spurenleser kennen die Reviere des Wolfs – die Orte, wo er durchzieht oder wo er womöglich Welpen zur Welt bringt. „Wir können über Fährten bestätigen, ja, es war ein Wolf“, sagt Wildnispädagoge Wernicke.

Auch bei der aufsehenerregenden Suche nach einer angeblichen Löwin in Kleinmachnow bei Berlin hatten im Sommer Spurenleser und internationale Experten bei der Aufklärung geholfen. Sie erkannten anhand von Fotos, dass es sich doch nur um ein Wildschwein handelte.

Seit einem ersten Kurs, da war er Mitte 20, sei er süchtig nach Tierspuren und Geschichten aus der Natur, erzählt Fährtenleser Wernicke. „Für mich gibt es nicht Schöneres, als draußen zu sein.“ Er habe schon viele Wolfsspuren gesehen und den Wolf auch heulen hören, erzählt sein Freund Sebastian Model, der aus Sachsen nach Bad Belzig zog. „Das ist sehr, sehr magisch.“ Gesehen habe er ihn aber noch nicht.

Systematische Datensammlung

Im Wald sammeln die Fährtensucher Haare und Kotproben, riechen an den Hinterlassenschaften, versuchen die Trittsiegel von Wölfen auszumachen. Markierungspfeile, mit denen sie Spuren am Boden kennzeichnen, ein Zollstock, manchmal auch eine Wärmebildkamera gehören zur Ausrüstung.

In der Landschaft des Naturparks Hoher Fläming sollen sich in den vergangenen 15 Jahren mehrere Rudel angesiedelt haben. Aufsehen hatte 2017 ein Jäger aus Dänemark erregt, der eine Wölfin während einer Treibjagd bei Bad Belzig erschossen hatte. Der Wolf ist in Deutschland eine streng geschützte Art und darf – abseits seltener Ausnahmeregelungen – nicht bejagt werden.

In einem Buchenwäldchen machen die Spurenleser zuerst ein paar unterirdische Dachsbauten aus. Dann inspizieren sie eine Höhle – eine mögliche Wurfhöhle, wie sie eine Wölfin für die Geburt ihres Nachwuchses gräbt, wie Wernicke erklärt. Erst steckt der etwa 1,90 Meter große Mann den Kopf in die Öffnung, dann schiebt er sich immer weiter in die enge, sandige Höhle hinein, bis nur noch seine Waden und Füße mit den Wanderschuhen herausschauen.

Frische Wolfsspuren oder Hinterlassenschaften? Fehlanzeige. Paul Wernicke ist überzeugt, dass er hier keine Wölfe stören kann. In der Regel bringt eine Wölfin im April oder Mai ihre Welpen zur Welt. Auf Bildern einer Kamera sind nur Füchse zu erkennen. Auch der Sandweg mit vielen Fußabdrücken verrät den Spurenlesern, dass Fuchs, Reh und Hase hier unterwegs waren – ein Wolf an diesem Tag aber wohl nicht. Immerhin: Alte Wolfslosung, also Kot, liegt auf dem Weg.

„Also, ich habe lange Jahre Wolfskurse gegeben, bevor ich meinen ersten Wolf gesehen habe“, meint Wernicke, der mit seiner Familie abgelegen am Waldrand lebt. Jetzt sei das anders: „Der Wolf läuft regelmäßig 15 Meter hinter meinem Haus an der Feldkante entlang.“

Deutschland ist längst wieder Wolfsland geworden. Die zur Tierfamilie der Hunde gehörenden Wildtiere breiten sich aus. Nach neuesten Zahlen des Bundesamtes für Naturschutz gibt es 184 Rudel, also Wolfsfamilien – 22 mehr als im vorherigen Monitoringjahr 2021/22, das von Anfang Mai bis Ende April des Folgejahres dauert. Die meisten Rudel leben in Brandenburg, wo es laut Umweltministerium 62 bestätigte Territorien, 52 Rudel und 190 Welpen gibt. Eine Gesamtzahl der Tiere geben die Behörden nicht an, unter anderem, weil die Zahl der Wölfe innerhalb eines Rudels schwankt.

Die Länder sammeln systematisch Daten zum Wolfsbestand, gewinnen mit genetischen Untersuchungen von Kot, Haaren und Abstrichen von gerissenen Tieren sichere Nachweise und können Verwandtschaften feststellen. Auch Fotofallen gelten nach Einschätzung des Bundesamtes für Naturschutz als bewährte Methode. Wo die Kameras hängen, wird aus Sorge vor Beschädigungen und Wolfs-Tourismus geheimgehalten.

Schädel als 3D-Modell, Haare in Tütchen

Viele ehrenamtliche Wolfsbeauftragte, die meist eine gute Ortskenntnis haben, unterstützen das Wolfsmonitoring in Brandenburg und liefern wichtige Daten. Spurenleser erbringen dabei nur einen verschwindend geringen Anteil, wie ein Sprecher des brandenburgischen Landesamtes für Umwelt sagt.

Aufschluss über den Wolfsbestand gibt das Senckenberg Zentrum für Wildtiergenetik in Hessen, das deutschlandweit gesammelte Proben untersucht. Pro Jahr seien es etwa 5000 DNA-Analysen, sagt der Leiter Carsten Nowak. Inzwischen untersuchten die Wissenschaftler vor allem Speichelproben nach Weidetierrissen.

Weil Attacken auf Schafe, die oft leichte Beute für den Wolf sind, zugenommen haben, steigt die Wut mancher Landwirte. Es gibt Forderungen, Abschussquoten festzulegen. Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) will schnellere Abschüsse einzelner Wölfe in Regionen ermöglichen, in denen vermehrt Weidetiere gerissen werden. Umwelt- und Tierschützer etwa vom Naturschutzbund (Nabu) können sich damit anfreunden, Jägern und Bauern reicht das geplante Vorgehen nicht. Auch Wissenschaftler Nowak bekommt den Streit zu spüren. „Wir werden auch angefeindet, mal von Wolfsgegnern, mal von Wolfsfreunden“, erzählt der Institutsleiter.

Bei den Spurenlesern aus Bad Belzig überwiegt die Leidenschaft für den Wolf. Ein Schädel steht als 3D-Modell in der Wildnisschule, Wolfshaare werden in Plastiktütchen aufbewahrt, anhand von in Ton abgebildeten Pfotenabdrücken lässt sich erklären, woran man eine Wolfsspur erkennen kann. Vor allem treibt die Tracker die Liebe zur Natur an, die sie in Kursen zum Spurenlesen, aber etwa auch über die Vogelsprache Erwachsenen und Kindern vermitteln wollen, wie sie sagen. „Ich glaube, dass es langsam durchsickert in der Gesellschaft, dass Naturverbundensein, sich da draußen auskennen, sich da auch wohlfühlen, eine immer höhere Bedeutung bekommt (…)“, meint Wildnispädagoge Paul Wernicke.

Ob die Spurenleser demnächst auch häufiger den Fährten eines Neuankömmlings, des Goldschakals, folgen können? Eine Verwechslung mit seinem engen Verwandten, dem Wolf, ist möglich, aber auch mit dem Fuchs. Laut Deutscher Wildtier Stiftung breitet sich das scheue Tier noch eher heimlich in Deutschland aus. Den ersten dokumentierten Nachweis eines Goldschakals, der ursprünglich in Asien und auf dem Balkan zu Hause ist, hatte es 1997 in Brandenburg gegeben. Es sei durchaus möglich, dass Goldschakale durchs Land streifen, mit Ansiedlungen sei zu rechnen, heißt es vom Landesumweltamt. „Ich gebe denen noch 15, 16 Jahre, dann wird er hier häufig sein“, meint Fährtenleser Sebastian Model.

In den letzten Jahren folgten Sichtungen schon in immer mehr Bundesländern. In etablierten Wolfsterritorien wird der Goldschakal sich bisherigen Erkenntnissen zufolge allerdings kaum niederlassen – sein großer Bruder stellt eine tödliche Gefahr für ihn dar.

Radwege in Oberhavel – vielerorts Fehlanzeige

OGA vom 02. November 2023 OBERHAVEL

Radweg frühestens 2026 in Sicht

Sicherheit 

Nach dem tödlichen Radunfall vom Oktober 2020 erneuerten die BI-Mitglieder – der getötete Radfahrer gehörte der Bürgerinitiative ebenfalls an – die Forderung nach dem Bau eines Radwegs entlang der Landesstraße 21.

Von Roland Becker

Nach dem tödlichen Unfall im Oktober 2020 scheint der Radweg umso dringender. Das Radwege-Projekt ist ein Beispiel dafür, wie langsam die Mühlen der Bürokratie arbeiten. Wenn Wensickendorfs Ortsvorsteher Heinz Ließke davon spricht, im Landkreis einen Teilerfolg errungen zu haben, bezieht er sich auf den im Mai 2023 vom Kreistag beschlossenen Radwegenetzplan. Darin ist der Radweg von Summt über Wensickendorf und Zehlendorf bis Kreuzbruch mit der höchsten Priorität vermerkt. Das heißt aber noch längst nicht, dass nun das Buddeln und Bauen beginnt. Schließlich handelt es sich nicht um eine kreiseigene, sondern um eine Landesstraße.

Die Oberhavel-Prioritätenliste ist erst einmal an die Landesregierung in Potsdam gegangen. Dort wird sie eine ganze Weile mit denen aus den anderen Landkreisen im Schubfach liegen. In Potsdam hat man sich laut Ließke vorgenommen, das Landes-Radwegekonzept bis Ende 2024 zu überarbeiten. „Dabei werden wir uns einbringen. Auch der ADFC wird Druck machen“, ist sich Ließke sicher.

Zühlsdorfer Kinder müssen durch den Wald.

Ziel ist es, dass der gewünschte Radweg auch auf Landesebene die höchste Priorität erhält und die Planungen schnellstmöglich beginnen. Wobei das mit der Geschwindigkeit so eine Sache ist: Selbst wenn das Landeskonzept noch Ende 2024 im Landtag beschlossen wird, dürfte frühstens 2026 mit dem Bau begonnen werden. Das allerdings wäre schon ein Fortschritt. Bislang hieß es vom Land, dass der Radweg erst nach 2030 entstehen soll.

Ließke hat dabei nicht nur den Abschnitt zwischen Wensickendorf und Zehlendorf im Blick. Als Mitglied der Bürgerinitiative stört es ihn ebenso, dass Kinder aus Zühlsdorf zur Schule nach Mühlenbeck statt auf einem Radweg an der L21 auf einem durch den Wald führenden Sandweg fahren müssen.

Hier könnte eigentlich recht schnell eine Radspur entstehen, der noch dazu kaum Bäume geopfert werden müssten. „Zwischen Summt und Wensickendorf gibt es einen Brandschutzstreifen“, weiß Ließke. Die Forstbehörde habe bereits versichert, dass nichts dagegen spreche, diesen zum Radweg auszubauen. Auch eine darunter verlaufende Gasleitung sei nicht hinderlich. Fehlt nur noch, dass das Land und der Landesbetrieb Straßenwesen Druck machen.

Kuhmilch oder Pflanzendrinks?

OGA vom 28. Oktober 2023 WIRTSCHAFT

Pflanzendrinks: Körner statt Kuh

Ernährung

Immer mehr Raum nehmen im Handel Milchersatzprodukte ein – Getränke aus Mandeln, Hafer, Erbsen oder Soja. Ein Vergleich von Produktion, Nachhaltigkeit und Mineralstoffen.

Von Caroline Strang

Auf den Tischen liegen Spitzendeckchen, die Montagsturnerinnen haben Stammtisch, wie jeden Montag seit 30 Jahren. Nur Corona hatte sie zeitweise von dieser Tradition abgehalten. Die Pokale auf dem Wandregal direkt unter der holzvertäfelten Decke glänzen matt vor staubigem Fett, die Runde einen Tisch weiter bestellt Radler und Weißweinschorle – ein entspannter Abend in einer Dorfwirtschaft in der Nähe von Biberach. Mittenrein platzt die Frage an die Mütter, die sich nach einem Elternabend dort versammelt haben: „Sag mal, trinkt ihr noch Kuhmilch oder nehmt ihr Pflanzendrinks?“

Es folgt verständnisloses Kopfschütteln, die eine erzählt, dass ihr Mann jeden Tag einen Liter normale Milch trinke, die andere lässt davon überwiegend die Finger, verträgt sie nicht mal im Kaffee. Nur eine der Jüngsten am Tisch erklärt: „Mein Mann trinkt nur noch Mandel- oder Kokosmilch, das schmeckt gar nicht so schlecht.“ Warum? „Weil die weniger Fett hat, er achtet auf seine Figur und auf die Gesundheit.“

Vor allem Hafermilch schneidet beim CO2-Fußabdruck gut ab.

Wie der figurbewusste Ehemann greifen immer mehr Menschen in Deutschland nach Milch-Ersatzdrinks, deren Hersteller sie nicht Pflanzen- oder Sojamilch nennen dürfen. Der Begriff „Milch“ ist geschützt. Im Vergleich zu 2020 ist der Absatz von Pflanzendrinks in Deutschland 2023 um 85 Prozent gestiegen, wie die Gesellschaft für Konsumforschung ermittelt hat. Knapp 13 Prozent der Verbraucher in Deutschland ziehen nicht-tierische Milchalternativen der konventionellen Milch vor.

Zu den beliebtesten Alternativen gehören Hafer-, Mandel- und Sojamilch. 54 Prozent der Verbraucher gaben in einer Umfrage der Marktforscher POSpulse an, Milchalternativen als Zusatz zu herkömmlicher Milch zu nutzen. Häufigste Motive für den Verzicht auf Milch stellen insbesondere Tier-, Umwelt- sowie Klimaschutz dar.

Die Produktion von Milch übernimmt überwiegend der Körper der Kuh, die im Handel käuflichen Pflanzendrinks werden industriell hergestellt. Grundsätzlich kann man zusammenfassen: Für die Getränke wird die jeweilige Grundzutat zerstampft, zerstoßen oder gemust und mit Wasser versetzt. Bei Getreide-Drinks werden die Körner zuerst grob gemahlen und anschließend eingeweicht, wie die Experten des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt- und Verbraucherschutz beschreiben.

Für die Herstellung der Drinks auf Nussbasis schälen Hersteller die Früchte und rösten sie zur Verstärkung der Aromen, bevor auch sie gemahlen, gekocht und verdünnt werden. Bei Erbsenmilch hingegen werden zunächst die Proteine aus den Erbsen extrahiert und dann mit Wasser gemischt. Häufig kommen dann noch Pflanzenöl, Vitamine, Mineralien, diverse Verdickungsmittel und Aromen dazu.

Doch sind diese Pflanzendrinks überhaupt gesund? Prinzipiell ja, sie enthalten in der Regel beispielsweise weniger Fett, was auch der figurbewusste Ehemann weiß. „Pflanzliche Alternativen unterscheiden sich deutlich von Kuhmilch“, erklärt Katrin Böttner von der Verbraucherzentrale NRW. Ein umfassender Marktcheck habe allerdings ergeben, dass der Energiegehalt stark variiert.

Im Test lag er zwischen 12 und 81 Kilokalorien pro 100 Gramm. Mehr als zwei Drittel der Produkte enthielten weniger als 48 Kilokalorien pro 100 Gramm – und damit weniger Energie als fettarme Milch. Der überwiegende Anteil der Pflanzendrinks beinhaltete weniger als 0,5 Gramm gesättigte Fettsäuren pro 100 Gramm. Fettarme Kuhmilch und Vollmilch bringen es auf 1,1 und 2,4 Gramm pro 100 Gramm.

Allerdings trägt Kuhmilch in unserer Ernährung unter anderem zur Versorgung mit den Nährstoffen Calcium, Jod, Vitamin B2, Vitamin B12 und Protein bei. „Wer gänzlich auf Milchprodukte verzichtet, sollte darauf achten, diese Nährstoffe gezielt durch andere Lebensmittel aufzunehmen oder auf angereicherte Pflanzendrinks zurückgreifen“, schreibt das Staatsministerium.

Calcium wird den Drinks oft zugefügt. Die Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) liegt für Erwachsene bei 1000 Milligramm Calcium pro Tag. „Wenn man sie mit Milchprodukten erreichen will, braucht man 250 Milliliter Milch und beispielsweise noch zwei Scheiben Hartkäse und einen Joghurt von 150 Gramm“, erklärt Böttner. 250 Milliliter angereicherte Pflanzendrinks lieferten in der Regel ebenso viel Calcium wie 250 Milliliter Milch.

Pflanzendrinks sind klimafreundlicher: Ihr CO2-Fußabdruck ist deutlich kleiner als der von Milch, das heißt, ihre Auswirkungen aufs Klima entlang ihres Produkt-Lebenswegs von der „Wiege bis zur Supermarktkasse“, wie Nils Rettenmaier, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (ifeu), erklärt. Für die ifeu-Studie wurden Soja-, Hafer- und Mandeldrinks unter die Lupe genommen – und Milch. Unter anderem wurde berechnet, wie viele Treibhausgase in der Landwirtschaft durch den Einsatz von Traktoren, Dünger und Pflanzenschutzmitteln ausgestoßen werden, auch die Emissionen sämtlicher Transportprozesse, der Verarbeitung, Verpackung und Lagerung wurden einbezogen.

Das Fazit: „Die pflanzlichen Alternativen weisen wesentlich bessere Werte auf“, sagt Rettenmaier. Vor allem der Haferdrink schneidet gut ab. Der größte Unterschied komme aus der Landwirtschaft. Für die Erzeugung von Milch müssten Futtermittel für die Milchkühe angebaut werden. Dazu komme der Ausstoß von Methan aus dem Verdauungstrakt. Und auch die Ausbringung des Wirtschaftsdüngers aufs Feld leiste einen deutlichen Beitrag zu den Emissionen. „Für die pflanzlichen Alternativen hingegen muss man zwar auch die Rohstoffe anbauen, aber es fallen eben keine mit der Tierhaltung verbundenen Emissionen an“.

Großer Wasserverbrauch

Betrachtet man allerdings beispielsweise den Wasserfußabdruck, sieht die Bilanz etwas anders aus. Das ifeu ermittelte dabei den Wasserverbrauch in „Liter Weltwasseräquivalent“, wobei berücksichtigt wird, wie knapp Wasser in der jeweiligen Anbauregion ist. Mandeldrink hat einen sehr großen Wasserfußabdruck, deutlich größer als der von Milch: „Das liegt vor allem daran, dass Mandeln unter anderem in Kalifornien und im Mittelmeerraum angebaut werden, wo gerade in den vergangenen Jahren zeitweise große Wasserknappheit herrscht, die sich in den vergangenen Jahren weiter zuspitzte“, erklärt Rettenmaier. Haferdrink dagegen schneide beim Wasserfußabdruck besser ab als Milch.

Und die Frauen in der Dorfwirtschaft? An Wassermangel leiden sie nicht, obwohl die Gläser inzwischen leer sind. Auf Kuhmilch wollen sie nicht verzichten. „So ein Kakao mit richtiger Milch schmeckt schon anders“, sagen sie. Und drehen am nächsten Tag vielleicht eine kleine Sparzierrunde an der Weide mit den sieben Kühen am Dorfrand vorbei.

Für Allergiker bedingt geeignet

Als Alternative zu Kuhmilch sind Pflanzendrinks bei Allergikern beliebt, da sie keine Laktose und kein Milcheiweiß enthalten. Aber: Soja, Lupinen, Mandeln und Getreide können allergische Reaktionen auslösen. Außerdem enthalten Getreidedrinks Gluten, nichts für Menschen mit Zöliakie, so die Experten der Verbraucherzentrale.

Im Durchschnitt sind Pflanzendrinks teurer als Kuhmilch – wozu auch die unterschiedliche Besteuerung beiträgt: Milch fällt als Grundnahrungsmittel unter den ermäßigten Steuersatz von 7 Prozent, Pflanzendrinks werden mit 19 Prozent versteuert.

Wasserstoff gilt als zentrales Element der klimafreundlichen Zukunft

OGA vom 28. Oktober 2023 TITELSEITE ORANIENBURG

Neues Gas in alten Rohren

Umwelt

Wasserstoff gilt als zentrales Element der klimafreundlichen Zukunft. Der Hafen Rotterdam beginnt damit.

Von dpa

Rotterdam.

Der niederländische König Willem-Alexander hat im Hafen von Rotterdam offiziell das Startzeichen geben für den Bau eines internationalen Wasserstoffnetzwerkes. Energie- und Klimaminister Robt Jetten sprach von einem wichtigen Schritt zu einem klimafreundlichen Energiesystem. Das Netzwerk soll die großen Industriezentren des Landes miteinander verbinden, und ab 2030 an Netzwerke in Deutschland und Belgien gekoppelt werden und dort Industriezentren mit grünem Wasserstoff versorgen. Außerdem sollen Importterminals der Seehäfen, Wasserstoffproduktionsanlagen und großangelegte Speicher angeschlossen werden. Mit dieser Infrastruktur will Rotterdam, der größte Hafen Europas, zum internationalen Knotenpunkt für Wasserstoff werden. „Wir sehen uns klar als Spitzenreiter und arbeiten mit anderen europäischen Häfen zusammen“, sagte der kaufmännische Direktor beim Hafenbetrieb, Matthijs van Doorn. Wasserstoff soll beim Übergang zur klimafreundlichen Energieversorgung entscheidend sein. Dabei geht es um grünen Wasserstoff, der mit Strom aus Wind oder Sonne produziert wird, wobei kein CO2 freigesetzt wird. Er lässt sich gut transportieren und lagern. Vor allem soll Wasserstoff in der Industrie und dem Transportsektor fossile Brennstoffe ersetzen. Durch die Umstellung könnten die Niederlande den jährlichen CO2-Ausstoß um 25 Prozent reduzieren. Doch zurzeit reicht die Produktionskapazität bei weitem nicht aus. Ein großer Teil des Wasserstoffs muss importiert werden. Deutschland will bis 2030 die Produktionskapazität durch das Elektrolyseverfahren auf mindestens 10 Gigawatt aufbauen. Selbst dann müssen nach Schätzungen der Bundesregierung noch 50 bis 70 Prozent importiert werden. Die Niederlande schätzen ihren Import-Bedarf sogar auf 80 bis 90 Prozent. Zum großen Teil soll Wasserstoff per Schiff im Rotterdamer Hafen ankommen und über das Netzwerk weiter transportiert werden. 

Ist das noch Tierschutz oder eher Schutz der landwirtschaftlichen Nutztiere?

20. September 2023 POLITIK

Schonzeit für Wölfe ist zu Ende

Tiere Die steigende Zahl von Wolfsrissen sorgt in Teilen Deutschlands für Unruhe. In Brüssel und Berlin zeichnet sich deshalb ein neuer Umgang ab: Abschüsse sollen leichter werden.

Von Igor Steinle

Es war eine erstaunliche Kehrtwende, die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hinlegte, als sie vor einer „echten Gefahr“ durch Wölfe in manchen Regionen Europas warnte: für Nutztiere und „potenziell auch für Menschen“. Angesichts zunehmender Konflikte zeigte sie sich bereit, den Schutzstatus des Wolfes in der EU zu ändern. Bis Freitag will die Kommission Daten über Wolfspopulationen und mögliche Gefahren sammeln und dann entscheiden.

In Brüssel wird gemunkelt, dass der unerwartete Meinungsumschwung mit „Dolly“ zu tun haben könnte: Vor ziemlich genau einem Jahr riss ein Wolf in Niedersachsen das 30 Jahre alte Familienpony der von der Leyens. Aber auch über den Vorfall hinaus bekräftigen immer mehr Zwischenfälle den Ruf des blutrünstigen Beutegreifers. So richtete ein Wolf Ende August im Landkreis Stade ein regelrechtes Massaker an einer Schafsherde an, als er 55 von 112 Tieren töte – laut Jagdverband der bisher folgenschwerste Angriff auf eine eingezäunte Herde. Am Wochenende tötete ein Wolf im Landkreis Harburg 16 Schafe auf einer eingezäunten Weide, laut Zeugenaussagen direkt neben einem Wohngebiet. Insgesamt zählte der Bund im vergangenen Jahr 1136 Wolfsangriffe auf Nutztiere, mehr als 4000 Tiere wurden verletzt oder getötet.

Jagd- und Bauernverbände drängen deshalb seit Langem auf ein härteres Vorgehen. Dem können sich auch grün geführte Umweltministerien nicht mehr entziehen. Eine rechtliche Hürde stellt die ungleiche Verteilung der Tiere dar: Während sich im Norden und Osten Deutschlands 2000 Tiere tummeln – in Brandenburg spricht man von der höchsten Wolfsdichte der Welt –, streift in Baden-Württemberg eine Handvoll Wölfe durchs Land. Nach EU-Recht gelten sie als nicht mehr gefährdet, wenn sie sich überall, wo es potenzielle Reviere gibt, in ausreichender Zahl niedergelassen haben.

Gegen diese Regelung laufen die deutschen Länder Sturm. Man könne nicht warten, bis der Wolf im Ruhrgebiet ausreichend vertreten ist, sagt Niedersachsens Umweltminister Christian Meyer (Grüne). Der europäische Artenschutz müsse „regionale Antworten auf regional unterschiedliche Herausforderungen“ geben, heißt es in einer Erklärung der 16 Bundesländer. Auch die Opposition macht Druck: Es sei wissenschaftlich erwiesen, dass der Wolf nicht mehr gefährdet ist, die Bundesregierung müsse daher ein Bestandsmanagement „anlasslos und schadensunabhängig mit sofortiger Wirkung erlauben“, heißt es in einem Antrag von CDU und CSU, der am Freitag im Bundestag beraten wird.

Umweltministerin Steffi Lemke (Grüne) hat angekündigt, den Abschuss von Wölfen zu erleichtern. Denn die derzeitigen Vorschriften gelten als kaum umsetzbar. Damit Wölfe, die bereits Tiere gerissen haben, gejagt werden dürfen, muss ihre „Schuld“ mittels DNA-Probe nachgewiesen werden. „Das wirkt ein bisschen so wie Aktenzeichen XY für Wölfe“, spottet Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU), in dessen Revier sich um die 30 Tiere tummeln. So wurde Problemwolf „GW950m“, der neben von der Leyens Pony mehr als 60 weitere Tiere gerissen hat, bis heute nicht erwischt. Stattdessen wurden sechs andere Wölfe irrtümlich abgeschossen.

Naturschützer sind alarmiert. Statt „Scheindebatten“ brauche es „flächendeckenden und unbürokratischen Herdenschutz und Unterstützung für die Weidetierhaltung“, sagt etwa Wolfsexperte Moritz Klose vom WWF. Beides sei in Deutschland unzureichend. Wenn Weidetiere aber nicht ausreichend geschützt würden, reichten schon wenige Wölfe, um leichte Beute zu machen.

Tier nutzt Fehler aus

Tatsächlich stellen Behörden oft Mängel fest, die das kluge Tier auszunutzen weiß: In Stade gab es Baumstümpfe, die er als Sprungbrett nutzte, zudem wich die Lage eines Stromdrahts um wenige Zentimeter von den Anforderungen ab. In Harburg fehlte ein „Untergrabschutz“, sodass sich der Wolf unter dem Zaun durchbuddeln konnte. Herdenschutz allein, der in den Ländern Millionen verschlingt, könne nicht die Lösung sein, heißt es in Niedersachsen: Man könne nicht das ganze Land einzäunen, sagt Minister Meyer. Zumal die Vorfälle längst für Angst und Schrecken sorgen: Aus Stade wird berichtet, dass Bürger ihre Kinder am Stadtrand nicht mehr unbeaufsichtigt spielen lassen. Im Landkreis Harburg erzählte eine Tierärztin dem NDR, dass Wölfe tagsüber durch den Ort liefen und sich von Menschen nicht beeindrucken ließen. Auch deswegen sehen viele Experten Handlungsbedarf, soll die Akzeptanz für den Wolf nicht völlig verloren gehen.

30 Prozent Wachstum

In Deutschland lebten nach Zählung der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes für den Wolf (DBBW) im Wolfsjahr 2021/22 insgesamt 162 Rudel, 47 Paare und 21 Einzeltiere. Im Norden und Osten Deutschlands haben sich besonders viele Wolfsrudel angesiedelt. Die meisten von ihnen leben nach DBBW-Angaben in den Bundesländern Niedersachsen, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern.

Der Deutsche Jagdverband schätzt die gesamte Wolfspopulation im Frühsommer 2021 auf bis zu 2000 Tiere. Allgemein wird davon ausgegangen, dass der Wolfsbestand jedes Jahr um rund ein Drittel wächst.

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Immer dann, wenn Politiker:innen selbst betroffen sind, werden sie aktiv. Dies zur Ausgangsposition dieses Themas.

Natürlich müssen die Tiere und die Menschen geschützt werden; keine Frage. Die Frage, die sich hier stellt ist doch, müssen nicht alle Tiere geschützt werden? Wer sagt uns, dass der Wolf keinen Nutzen für die Natur, die Flora und Fauna hat?

Es wir immer so pauschaliert zwischen Nutztieren und anderen Tieren in unserer Gesellschaft unterschieden. Sind denn die Tiere, die vom Menschen direkt benutzt werden (Rinder, Schafe, Ziegen, Schweine, Hühner etc.) nur Nutztiere? Natürlich entsteht ein wirtschaftlicher Schaden, wenn eine Schafherde gerissen wird. Muss deshalb gleich der Wolf umgebracht werden?

In unserer Zeit ist alles nur noch eine Kostenfrage, alles was den Profit schmälert, muss eliminiert werden. Wir merken gerade alle über den ganzen Globus verteilt was passiert, wenn der Mensch in die Natur eingreift. Spätestens seit der AfD wissen wir, es gibt keinen Klimawandel.

Denkt bitte noch einmal nach, fragt die Fachleute, ehe ihr die sich gerade wieder erholenden Tierbestände (der Wolf galt lange Zeit als ausgerottet in unserer Region) erneut reduzieren wollt!

Der Mensch sollte seinem Verstand folgen, das Tier folgt seinen Instinkten.


Das Jahr 2023 beginnt mit ganz viel Streß bereits in der Silvesternacht

Eigentlich wollte ich an dieser Stelle allen meinen geneigten Lesern ein gesundes, schönes und erfolgreiches neues Jahr wünschen, da wurden wir bereits in der Silvesternacht durch einige unverbesserliche Bürger eines Besseren belehrt.

Schade, dass doch bei vielen Mitmenschen der Egoismus über die Vernunft gesiegt hat. Und hier meine ich tatsächlich alle diejenigen, die meinten, ihr Geld durch Feuerwerk verbrennen zu müssen. Sind das nicht die gleichen Leute, die auch wegen der Inflation, der Coronakrise, dem Krieg Russlands gegen die Ukraine und der Energiekrise am lautesten die Bundesregierung kritisierten und mehr finanziellen Ausgleich für die steigenden Preise forderten?

Meiner Meinung nach passt hier etwas nicht zusammen.

Statt die Umwelt, die Mitmenschen und die Tiere vor Verschmutzung und Lärm zu schützen, werden Millionen an Euro in der Silvesternacht verbrannt. Nachvollziehbar ist das nicht!

Noch weniger nachvollziehbar ist das, wie die CDU auf Bundes- und Landesebene aber auch hier im Kreis mit dem Thema, insbesondere mit den Angriffen auf Sicherheits- Hilfs- und Rettungskräfte, umgeht.

Vielleicht kann Herr Bommert (bitte hierzu den beigefügten Artikel aus dem OGA vom 07.01.2023 lesen) sich kurz vor seiner Haustür in Sommerfeld davon überzeugen, dass es keine Jugendlichen mit Migrationshintergrund sind, die nach Neujahr bis hin zum Samstag, denn 07.01.2023, 19.34 Uhr im Löwenberger Weg und dem Griebener Weg Böller gezündet haben?

So langsam zweifele ich daran, an die Vernunft der Mitbürger zu appellieren; das hat im Umgang mit der Corona-Pandemie nicht funktioniert und im Umgang mit Silvesterfeuerwerk ebenfalls nicht.

Hier nun der Artikel aus dem OGA:

07.01.2023 Oranienburg/Leegebruch

Beteiligt sich die CDU Oberhavel an Hetze?

Silvesternacht Die Angriffe in Berlin haben Debatten ausgelöst. Gewalt gegen Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst gibt es auch in Oberhavel. Schüren nun CDU-Mitglieder Rassismus? Von Marco Winkler

Die Angriffe zur Silvester-Nacht in Berlin haben Debatten ausgelöst. Gewalt gegen Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst gibt es auch in Oberhavel.

Julius-Christian Schreiner/TNN/dpa

Die Feuerwehr musste unter Polizeischutz Brände bekämpfen, Sanitäter und Polizisten wurden angegriffen, Einsatzkräfte wurden in Hinterhalte gelockt, Fahrzeuge sollten geplündert werden. Die Silvesterangriffe in Berlin haben eine Debatte ausgelöst. Es könnte der Eindruck entstehen, als wäre Gewalt eine angeborene Eigenschaft von Migranten. Auch die CDU in Oberhavel beteiligt sich auf Facebook.

Der CDU-Landtagsabgeordnete Frank Bommert veröffentlichte am Dienstag ein Facebook-Bild mit den Worten „Mehr Respekt und Sicherheit für unsere Sicherheitskräfte!“ und „Volle Strafhärte für die Silvester-Chaoten“. Er schrieb: „Klare Kante für diese Straftäter“ – und das „mit der maximalen Härte des Gesetzes ohne jegliche Ausflüchte von Traumatisierung“ oder Ähnlichem. Es müsse „klar benannt“ werden, dass ein Großteil der Randalierer junge Männer mit Migrationshintergrund waren. „Und wer da jetzt meint, das Ganze wäre mit einem Böllerverbot geklärt, der ist dann wohl irgendwo mal falsch abgebogen.“ Der CDU-Bundestagsabgeordnete Uwe Feiler teilte den Beitrag mit den Worten „Lieber Frank Bommert, du hast es auf den Punkt gebracht.“

Der Beitrag von Bommert, der auch gerne Bild-Artikel teilt, fand unter anderem Anklang bei Kremmens Bürgermeister Sebastian Busse, Oranienburgs Hauptausschussvorsitzendem Werner Mundt, Kreistagsmitglied Mario Müller und Kreis-Baudezernent Egmont Hamelow (alle CDU). Auch Herbert Weimer, dem Gründer des Christliches Jugendzentrums Oranienburg (CJO), gefällt der Bommert-Beitrag.

Olaf Bechert, Geschäftsführer der Regio-Nord und CDU-Kreistagsmitglied, schrieb auf Facebook: „Die Gesellschaft weiß, wer diese Typen sind, und warum sie dies tun. Es sind Menschen, die unsere Werte ablehnen. Punkt.“ Der Staat würde „diesen Chaoten nicht ausreichend Einhalt“ gebieten. Er sei frustriert über „die sich wiederholenden Anfänge der offiziellen Aufarbeitung der Vorgänge“ und fragt: „Kommt in einigen Regierungsblasen denn wirklich nichts mehr an? Warum werden in Deutschland weiterhin nicht Ross und Reiter benannt? Wie viel Bürgervertrauen muss noch zerstört werden?“

Weder Frank Bommert noch Olaf Bechert beschäftigen sich mit den Ursachen der Ausschreitungen. Kein Wort fällt zu frei verfügbaren Feuerwerkskörpern und Böllern, zu Alkohol, Gruppendynamik, Integration oder der mit Wut und Frust verbundenen Perspektivlosigkeit vieler Menschen.

Ergebnis der Umfrage zu geplanten Solaranlagen in Kremmen

Der OGA berichtet über den Verlauf und das Ergebnis der Bürgerbefragung zum o.g. Thema.

Hier der Artikel:

OGA vom 09.07.2022 Hennigsdorf/Velten

Umfrage zum Solarkonzept beendet

Bürgerwahl Die Abstimmung zu vier geplanten Solaranlagen fällt eindeutig aus. Wie geht es weiter?

Kremmen. Es ist nur ein Meinungsbild. Dennoch fällt es recht eindeutig aus. Die Einwohnerinnen und Einwohner von Kremmen waren aufgerufen, sich an einer Umfrage zu den geplanten Solarparks der Firma CleanSource Energy GmbH zu positionieren. 6702 Briefe wurden verschickt. Mehr als 50 Prozent (3598) antworteten. „Ich bin der Bevölkerung der Stadt Kremmen sehr dankbar, da mit einer derartig hohen Wahlbeteiligung nicht zu rechnen war“, so Bürgermeister Sebastian Busse (CDU) nach der Auszählung der Bürgerbefragung. „Des Weiteren bedanke ich mich sehr herzlich für die Unterstützung der einzelnen Ortsvorsteher, denn ohne deren Mitarbeit wäre eine solche Wahlbeteiligung nicht möglich gewesen.“

Ausgelöst hatte die Befragung eine Bewegung im Ortsteil Groß Ziethen. Dort soll eine 50 Hektar große Anlage entstehen. Die Kritik: Der Park sei zu dicht am Ort. Etwa 400 Meter würden zwischen Solaranlage und Dorf liegen. Eine halb so große Anlage soll nördlich der Eisenbahnstrecke in Beetz entstehen, 14 weitere Hektar kommen westlichen der Lagerhallen in Orion an der Straße „Am Elsholz“ hinzu. In Charlottenau sind 14 Hektar im Gebiet entlang des nordöstlichen Bereichs des Ackerschlags „Hufen zum Mittenfelde“ vorgesehen. Wie haben sich die Menschen in Kremmen positioniert?

Die Ergebnisse

Mit 2158 Ja-Stimmen stimmen 60,23 Prozent der Befragten zu, weitere Schritte fürs Solarkonzept einzuleiten. 39,77 Prozent (1425 Stimmen) gaben den Plänen einen Korb, wobei sich Groß Ziethen und Hohenbruch deutlich gegen die Pläne aussprachen. Für jedes Solar-Projekt könnte nun ein separater Beschluss gefasst und das Bebauungsplanverfahren in Gang gesetzt werden. Eingriffe in die Natur und ins Landschaftsbild werden untersucht.

Zweimal haben die Bürgerinnen und Bürger im Anschluss noch die Chance, Stellung zu den Plänen zu beziehen. „Es ist somit ausdrücklich noch keine Abstimmung über die finale Ausgestaltung und Genehmigung der Projekte“, so die Verwaltung. Die Abstimmung im Detail: win

Beetz: 222 Ja-/164 Nein-Stimmen, die Wahlbeteiligung im Ort: 54 Prozent

Flatow: 245/114, 55 Prozent

Groß Ziethen: 55/100, 82 Prozent

Hohenbruch: 59/239, 49 Prozent

Kremmen: 932/558, 52 Prozent

Staffelde: 128/92, 51 Prozent

Sommerfeld: 517/158, 56 Prozent

Norden wird Wasserstoffland

Heute im OGA:

„09.10.2021 Wirtschaft

Norden wird
Wasserstoffland

Eneuerbare Energien In Uckermark und Barnim drehen sich die meisten Windräder. Die Menschen dort haben wenig davon – das soll sich nun ändern.  Von Ina Matthes

Die Pioniere: Enertrag betreibt in Prenzlau ein Hybridkraftwerk. Das Unternehmen gewinnt mit Hilfe von Windenergie Wasserstoff. Uckermark und Barnim wollen das forcieren.

Monika Skolimowska W

indräder gibt es in Uckermark und Barnim reichlich: 782 Anlagen produzieren dort Strom. Damit ist  in der Landschaft eine Leistung von 1620 Megawatt verteilt – das entspricht der Kapazität des Braunkohle-Kraftwerks Schwarze Pumpe. In den beiden Kreisen zusammen wird fast vier Mal so viel grüner Strom erzeugt, wie von den Uckermärkern und Barnimern samt der heimischen Wirtschaft benötigt wird. Ein großer Teil dieser Energie wird in die Netze eingespeist und abtransportiert. Die Landkreise  beziehungsweise Kommunen haben von ihrer Stromproduktion wenig Gewinn – weder an Steuereinnahmen noch Jobs.

Grüne Pläne: Busse sollen
das Gas tanken
und künftig auch
Müllfahrzeuge.

Das wollen Uckermark und Barnim ändern. Aus Windenergie und Wasser soll grüner Wasserstoff produziert werden. Im Norden Brandenburgs ist vor wenigen Tagen ein Projekt gestartet. „Wasserstoffregion Uckermark-Barnim – H2UB.“ Unterstützt wird es von der Investitionsbank des Landes ILB und dem Wirtschaftsministerium Brandenburgs. 600.000 Euro gibt die Förderbank des Landes, je 100.000 Euro steuern beide Kreise  bei. Damit stehen für zunächst drei Jahre 800.000 Euro zur Verfügung. Das Geld soll für Personalkosten, Mieten, Veranstaltungen, externe Experten verwendet werden. Derzeit sucht die Planungsgemeinschaft Uckermark-Barnim, die das Projekt koordiniert, zwei Mitarbeiterinnen bzw. Mitarbeiter fürs Management. „Es geht darum, eine Wertschöpfungskette zu initiieren, die von der Erzeugung des Wasserstoffes bis hin zu Anwendungen reicht, etwa in der Produktion von Anlagenbauteilen“, sagt Claudia Henze, Leiterin der Planungsstelle. „Wir wollen Interessenten zusammenzubringen, die Teil dieser Wertschöpfungskette werden wollen.“ 

Enertrag stellt Wasserstoff her

Erzeugung von grünem Wasserstoff gibt es in der Region bisher kaum – lediglich das Unternehmen Enertrag betreibt bei Prenzlau ein Hybridkraftwerk mit  Wasserstoff-Elektrolyse. Aber es gibt bald  Abnehmer: Die Barnimer Busverkehrsgesellschaft und die Uckermärkische Verkehrsgesellschaft haben Wasserstoff-Busse bestellt, sagt Claudia Henze. Die Barnimer Busverkehrsgesellschaft will bis Ende 2022 sechs dieser Busse in Betrieb nehmen. Das Land förderte das im Sommer mit 2,7 Millionen Euro. Durch den Nationalpark Unteres Odertal sollen bald zwei dieser Busse rollen. Auch die Kreiswerke Barnim wollen ihre Fahrzeugflotte  umstellen. Der Bau mehrerer Tankstellen sei im Gespräch, sagt Claudia Henze, ein Unternehmen wolle Bauteile für Elektrolyseure herstellen und es gebe erste Ideen, Wasserstoff aus Abwasser zu gewinnen. „Technisch ist das alles erfunden, man muss es jetzt nur mal machen.“  Wasserstoff könnte in die Gasnetze eingespeist werden, kommunale Stadtwerke als Partner angesprochen werden,. So würde Windstrom auch zur Wärmegewinnung genutzt werden. Von dieser Verwendung der Windenergie in der Region versprechen sich die Initiatoren eine höhere Akzeptanz für die Windkraftanlagen in der Region.

Deren Ausbau ist ins Stocken geraten. Zwar stehen derzeit noch 89 Anlagen mit 400 MW vor der Inbetriebnahme, aber ein weiterer Bau von Windkraftwerken ist erst einmal durch ein Moratorium gestoppt. Grund dafür ist eine Entscheidung des Oberverwaltungsgerichtes Berlin Brandenburg. Das Gericht hatte den Regionalplan Windnutzung Uckermark-Barnim für unwirksam erklärt, hauptsächlich aus formellen Gründen. „Das ist höchst bedauerlich“, sagt Claudia Henze. Allerdings seien mit Ausnahme von Wandlitz auch alle Windenergie-Gebiete mit Anlagen gefüllt. In den beiden Jahren, in denen das Moratorium gilt, will die Planungsgemeinschaft den Plan neu aufstellen. Claudia Henze sieht in den sinkenden Grundwasserständen im Land kein  Hindernis für eine Wasserstoffwirtschaft. Es gebe Untersuchungen zu Grundwasserleitern im Barnim, sagt Ralf Christoffers. Der Linken-Politiker gehört dem Vorstand der Planungsgemeinschaft an und ist einer der Initiatoren des Projektes. „Die Wasserversorgung ist sichergestellt.“  Christoffers findet, dass die Wasserstoffwirtschaft über die Lausitz hinaus ausgeweitet werden sollte. Wie die Lausitz so stehen auch Uckermark und Barnim vor einem Strukturwechsel. Ihre Wirtschaft ist mit dem PCK Schwedt als industriellem Schwergewicht stark vom Erdöl geprägt. Wie lange noch?

Ein Überschuss an erneuerbarem Strom

Grünstrom: Vor allem in der Uckermark ist der Überschuss deutlich: 2018 lag der Stromverbrauch im nördlichsten Brandenburger Kreis bei knapp 370 Millionen Kilowattstunden. Produziert wurden 2,7 Milliarden Kilowattstunden – also etwa das Siebenfache. Im Barnim wird etwa das Anderthalbfache dessen erzeugt, was in der Region verbraucht wird. Die Region im Norden produziert laut regionaler Planungsgemeinschaft Uckermark-Barnim mehr Windstrom als die Lausitz. In Brandenburg beträgt die installierte Leistung Windenergie 7,5 Milliarden Megawatt. Das ist mehr als das Doppelte der Leistung von Brandenburgs größtem Braunkohlekraftwerk Jänschwalde. ima“

„Beekeepers“ hat im August in Kremmen eröffnet

Der OGA berichtet am 19.08.2020 darüber, dass im ehemaligen ALDI in Kremmen er Imkereibedarf „Beekeepers“ eröffnet wurde.

„Die Systemrelevanz der Bienen

Heimische Wirtschaft

Marco Skala will mit seinem Imkereibedarf „Beekeepers“ in Kremmen Bienenhüter vernetzen. Zudem plant er Wohnmobilstellplätze und einen familienfreundlichen Bienenpfad.

Von Marco Winkler


Wenn sie die Wächterbienen am Flugloch nicht vertreiben können, schlagen die Hornissen zu und schnappen die Bienen weg. Sind es nicht Hornissen, räubern Wespen im Bienenstock. Natürliche Feinde. Um ihre Honigmacher vor einem bekämpfbaren Gegnern zu schützen, kaufen Imker aktuell Ameisensäure. „Zur Bekämpfung der Varroamilbe“, informiert Marco Skala, der in Kremmens einstigem Aldi-Markt den Imkereibedarf „Beekeepers“ betreibt.


Die Eröffnung Anfang August ging still über die Bühne. „Die Nachfrage war so groß im Vorfeld, wir hätten aufgrund der Corona-Pandemie eventuell die Besucherströme nicht händeln können“, erklärt Skala. Aus dem Berliner Laden an der Spandauer Rhenaniastraße musste er ausziehen. Das Wohnungsunternehmen Gewobag plant auf dem mit Werkstätten und Kleinunternehmern besiedelten Gelände 900 Wohnungen, eine Kita und eine Schule. In den vorigen Tagen habe ein Gerichtsvollzieher die Schlösser der Gewerbehöfe ausgetauscht. Skala war das lange bekannt. Er suchte deshalb eine Alternative – und fand sie in Kremmen. „Unser Mietvertrag mit Aldi läuft 30 Jahre“, sagt er. Eine Kaufoption zu einem späteren Zeitpunkt sei dabei inklusive.


Die braucht Marco Skala auch. Denn er hat einiges vor. Neben seinem Kerngeschäft (neu sind im Vergleich zum Berliner Laden eine Kinder- und Leseecke sowie ein Loungebereich) sollen nach den entsprechenden Genehmigungen mehrere Wohnmobilstellplätze entstehen sowie ein Bienenlehrpfad. „Das wird ein richtig cooles Objekt, eine Perle“, ist der 40-Jährige von seinem familienfreundlichen Projekt überzeugt. Bisher sei er mit offenen Armen empfangen worden. Viele Imker aus Berlin verbinden mit dem Einkauf einen Kremmen-Besuch. Es gibt erste Kooperationen mit dem Spargelhof und der Bäckerei Plentz. Neulich hatte das Maskottchen „Billy the Bee“ seinen ersten Auftritt. „Das wollen wir in Zukunft pushen, Billy soll unser Aushängeschild werden.“


Die Gesamtfläche in Kremmen ist mit 1 100 Quadratmetern zwar 300 kleiner als in Berlin, „dafür ist die Ladenfläche großzügiger“. Getrennt sind die Bereiche mit Mauerteilen aus Styropor. Als Skala noch als Spediteur unterwegs war, hat er die Mauerstücke, die 2009 zum 20-jährigen Mauerfall-Jubiläum vor dem Brandenburger Tor wie Dominosteine angeordnet und symbolisch zu Fall gebracht worden sind, gelagert und transportiert. „Wir konnten damals 30 retten, nun stehen sie hier.“ Drei Jahre nach dem Jubiläum stieg er – unzufrieden geworden als Spediteur – in den Imkereihandel ein. Er will nicht nur verkaufen, sondern auch vernetzen. „Wenn heimische Imker Probleme mit der Honigvermarktung haben, vermitteln wir Kontakte zu solchen, bei denen es gelingt.“ Er wolle den regionalen Imkern keine Konkurrenz sein.


Die Corona-Pandemie versetzte der Firma übrigens keinen schmerzhaften Stich. Da die Biene als Inbegriff von Systemrelevanz gilt, durfte der Imkereibedarf als notwendige Anlaufstelle für deren Erhalt die ganze Zeit über geöffnet bleiben.

Marco Skala eröffnete seinen Bienenladen. Abgeschlossen wurde zudem die Aktion #OHVblühtauf. Den Hauptpreis – ein Imkerkurs bei Skala – gewann Daniel Marienfeld (rechts), der unter @fotopepe2000 auf Instagram zu finden ist. „

Quelle: Publikation Märkische Onlinezeitung Regionalausgabe Oranienburger Generalanzeiger – Oranienburg Ausgabe Nr.193 Datum Mittwoch, den 19. August 2020 Seite Nr.6 Deep-Link-Referenznummer 72354843