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Der RE6 – Fortsetzung

OGA vom 23. November 2023 OBERHAVEL

Halt gestrichen, am Dach gespart

Verkehr

Die Ausbaupläne der Bahn für den Prignitz-Express stießen in Kremmen auf breite Kritik

Von Roland Becker

Beetz-Sommerfeld. Für die Fahrgäste von Beetz-Sommerfeld und Radensleben bleibt angesichts des geplanten Wegfalls des RE6-Halts nur die Option, in die ab 2026 einmal stündlich zwischen Hennigsdorf und Neuruppin verkehrende Regionalbahn RB55 einzusteigen. In Kremmen muss dann eine halbe Stunde gewartet werden, ehe ein nach Berlin fahrender Express kommt.

Lässt sich wirklich nichts mehr ändern? Projektleiter Kai Protzner wies darauf hin, dass die Ausbaupläne voraussichtlich im Frühjahr im Kremmener Rathaus öffentlich ausgelegt werden. Dann könne jeder seine Einwände erheben. Die Erfahrung hat gelehrt: Ganz überwiegend werden solche Einsprüche abgelehnt. Zudem wurde vonseiten der Bahn darauf hingewiesen, dass ein Halt in Beetz-Sommerfeld eine nochmalige Umplanung bedeute. Entweder würde sich dadurch das gesamte Projekt verschieben, oder die Arbeiten für den Haltepunkt müssten nach Abschluss des eigentlichen Projekts erfolgen.

So weit möchte es der Landtagsabgeordnete Clemens Rostock (Grüne) nicht kommen lassen. Er will sich die von der Bahn erhobenen Zahlen der Ein- und Aussteiger anschauen und vor allem ergründen, auf welcher Basis diese beruhen. Sollte sich ergeben, dass der Haltepunkt stark frequentiert ist, „werden wir gegenüber dem Infrastrukturministerium Druck machen.“ In dieses Wir bezieht er seine Kollegen aus Oberhavel ein, darunter namentlich genannt Andreas Noack (SPD).

Ob er auf dessen Unterstützung zählen kann, erscheint jedoch fraglich. „Ich muss die Realität im Blick haben“, sagte er auf Nachfrage. Die bestehe darin, dass sich die Kosten für einen solchen Halt negativ auf die Nutzen-Kosten-Analyse auswirken könnten. Damit könne das ganze Projekt gefährdet werden. Zudem stellt er sich die Frage: „Lässt das Nutzerverhalten einen solchen Halt überhaupt zu?“ Dass an den Plänen der Bahn noch etwas verändert werden kann, „schätze ich als gering ein“.

Der CDU-Landtagsabgeordnete Frank Bommert saß an diesem Abend nur wenige Meter entfernt in einem weiteren Saal des Spargelhofs. Mit Beifall bedachte Rufe, ihn von dort zur Bahn-Diskussion zu holen, verliefen ergebnislos. Bommert war damit beschäftigt, den Botschafter der autokratisch regierten Republik Ungarn zu interviewen. „Ich wäre auch nicht rübergekommen“, sagte er am Tag darauf. Bezüglich des Sommerfeld-Problems wolle er weiter Gespräche mit dem Ministerium suchen. „Versprechungen kann ich aber nicht machen. Das ist ein ganz, ganz dickes Brett, was da zu bohren ist.“

Die beiden großen Arbeitgeber – Sana-Kliniken und Hotel Sommerfeld – wollen jedenfalls die Politiker für ihr Anliegen sensibilisieren. Für die Sana-Kliniken sagte Direktionsreferent Jonas Elias, dass man vom gestrichenen Express-Halt vor rund sechs Wochen erfahren und daraufhin einen Brief an den Verkehrsminister geschrieben habe. Eine Antwort stehe bislang aus.

Abseits der den Abend beherrschenden Diskussion um den Haltepunkt Beetz-Sommerfeld ging es um den zeitlichen Ablauf des Bauvorhabens. Gebaut werden soll zwischen Juli 2025 und Sommer 2026. Dabei wird es für fast zehn Monate  zu einer Vollsperrung des Abschnitts Kremmen-Neuruppin kommen. Zwischen Velten und Kremmen ist auch mit einem kompletten Ausfall zu rechnen, allerdings nur für kürzere Zeitspannen. Im Bereich Neuruppin wird es auch im Sommer 2026 nochmals zu Einschränkungen kommen. Nach den bisherigen Plänen ist damit zu rechnen, dass der neue Fahrplan für RE6 und RB55 ab Dezember 2026 gilt. Neben den großen Problemen beschäftigten die Interessierten auch Details. Ob es auf den künftig zwei Kremmener Bahnsteigen eine Überdachung geben wird, lautete eine solche Frage. Bei der Beantwortung zeigte sich: Gespart wird, wo es geht. „Die werden nicht überdacht. Pro Bahnsteig gibt es zwei Wetterschutzhütten“, beschied Manar Ebrahim.

Fakten zum Ausbau des Prignitz-Expresses

● Die Strecke zwischen Velten und Neuruppin soll zwischen Juli 2025 und Sommer 2026 ausgebaut werden. Dazu wird der Abschnitt Kremmen-Neuruppin bis Mitte April 2026 voll gesperrt.

● Zwischen Velten und Neuruppin werden neun Bahnsteige auf eine Länge von 145 Meter ausgebaut. Kremmen erhält einen zusätzlichen Bahnsteig.

● Bahnsteig-Überdachungen sind nicht geplant. Die Reisenden müssen mit Wetterschutzhütten vorliebnehmen.

● Zwischen Kremmen und Beetz-Sommerfeld wird die Strecke zweigleisig ausgebaut. Die bestehenden Schienen werden ebenfalls erneuert.

● Im Bereich Kremmen werden drei Bahnübergänge ausgebaut. Dabei kommt es auf der L19 für fünf Tage zu einer Vollsperrung, darüber hinaus wird der Verkehr einspurig an der Baustelle vorbeigeführt.

● Die Kremmener Bahnbrücke über den Ruppiner Kanal wird erneuert.

● Je nach Lärmbelastung werden teilweise Lärmschutzwände installiert. Einige Häuser bekommen passiven Lärmschutz, indem zum Beispiel entsprechende Fenster eingebaut werden.


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Selbstverständlich ist diese Sache ein großes Thema für Politiker! Nächstes Jahr sind Landtagswahlen, da müssen sich die Kandidaten schon an ihren Taten messen lassen.

Herr Rostock (Grüne) hat es verstanden, vielleicht auch sein Kollege von der SPD, Herrn Noack. Von der CDU, hier namentlich Herr Bommert, kommt eher ein Abwinken. Seine Aussage hierzu ist, kaum eine Chance, es müssen dicke Bretter gebohrt werden. Zur gleichen Zeit zeigt er ein paar Meter wofür er politisch steht und interviewt den Botschafter Ungarns. Warum ist ihm Ungarn wichtiger als seine Mitmenschen? Wessen Interessen vertritt dieser Mann?

Vergessen Sie es nicht bis zum Kreuz bei der Landtagswahl im nächsten Jahr.

Die Deutsche Bahn kann es nicht…

OGA vom 23. November 2023 TITELSEITE

Vom RE6 abgehängt: Entsetzen in Sommerfeld

Prignitz-Express

Die Deutsche Bahn informierte in Kremmen über die Ausbaupläne der Strecke zwischen Velten und Neuruppin.

Von Roland Becker

Sowohl der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg als auch die Deutsche Bahn verkaufen den Ausbau des RE6 – besser bekannt als Prignitz-Express – seit Jahren als die Revolution auf der Schiene, die zwischen Neuruppin und Berlin möglich ist. Bei einem Vor-Ort-Termin, zu dem die Bahn zu Montag nach Kremmen eingeladen hatte, stellte sich heraus: Für viele Bahnfahrende wird diese angekündigte Verbesserung zum Desaster.

Der Saal im Spargelhof Kremmen platzte aus allen Nähten. Statt der erwarteten 35 Interessierten waren rund 200 gekommen. Die bekamen erst einmal die glänzende Seite der Medaille präsentiert. „Der 30-Minuten-Takt ist das Kernziel des Prignitz-Expresses“ hieß es zum Start vonseiten eines Vertreters der Bahn. Mit dem Ausbau zwischen Kremmen und Neuruppin soll dieser Takt 2026 kommen.

Von den Vertretern der Bahn wurde der Ausbau zwischen Kremmen und Neuruppin zwar bis zur letzten Weiche erläutert. Doch die damit verbundenen Nachteile wurden erst auf Nachfrage eingeräumt. Im Laufe des Abends stellte sich nämlich heraus: Von dem 30-Minuten-Takt profitieren längst nicht alle. Vier Orte werden sogar ganz von der direkten Verbindung nach Berlin abgehängt. „Ich habe das auch erst vor drei oder fünf Monaten erfahren und war sehr überrascht“, meldete sich Kremmens Bürgermeister Sebastian Busse (CDU) zu Wort. Was ihn überrascht hat, sorgte bei anwesenden Vertretern der Sana-Kliniken und bei Jan Schröter, Geschäftsführer vom Hotel & Spa Sommerfeld für Entsetzen.

Nach der Sanierung der Strecke bekommt der Bahnhof Beetz-Sommerfeld zwar ein zweites Gleis. Doch ein Bahnsteig ist dafür nicht vorgesehen. Aus schlechtem Grund: Der Halt für Beetz-Sommerfeld wird gestrichen. Damit verliert dieser Bahnhof ebenso wie der von Wustrau-Radensleben den direkten Anschluss nach Berlin.

„Dieser Bahnhalt ist für uns existenziell wichtig. Den zu streichen, ist ein eindeutiger Planungsfehler, den man nicht zugeben will“, unterstrich Hotelchef Schröter. Auch vonseiten der Sana-Kliniken erklärten die Direktoren Mathias Kloß und Andreas M. Halder den Halt für unverzichtbar: „Wir haben uns immer auf den Ausbau des RE6 gefreut. Und jetzt sollen wir keinen direkten Anschluss an Berlin mehr haben.“ Bei 650 Mitarbeitern und jährlich 15.000 Patienten sei der Wegfall nicht verschmerzbar. Kloß warnte: „Ich sehe die Sicherstellung unseres Bedarfs an Arbeitskräften gefährdet.“

Im Prinzip, so ein Vertreter der Bahn, könne man diese Bedenken verstehen. Doch man müsse andere Prioritäten setzen. Der Fahrplan muss so getaktet sein, dass die Anschlüsse in Hennigsdorf und Wittenberge erreicht werden können. Daher müsse der RE6 an besagten Bahnhöfen vorbeirauschen. „Die Fahrzeitverlängerung bekommen wir nicht untergebracht“, argumentierte Kai Protzer, bei der Bahn Projektleiter für den Prignitz-Express. Das verwundert insofern, als der RE6 jetzt alle zwei Stunden in Wustrau-Radensleben hält. Egal ob mit oder ohne Halt – die Ankunftszeit in Hennigsdorf ändert sich dadurch nicht.

Fakten zum Ausbau des Prignitz-Expresses

Die Strecke zwischen Velten und Neuruppin soll zwischen Juli 2025 und Sommer 2026 ausgebaut werden. Dazu wird der Abschnitt Kremmen-Neuruppin bis Mitte April 2026 voll gesperrt.

Zwischen Velten und Neuruppin werden neun Bahnsteige auf eine Länge von 145 Meter ausgebaut. Kremmen erhält einen zusätzlichen Bahnsteig.

Überdachungen auf Bahnsteigen sind nicht geplant. Die Reisenden müssen mit Wetterschutzhütten vorliebnehmen.

Zwischen Kremmen und Beetz-Sommerfeld wird die Strecke zweigleisig ausgebaut. Die bestehenden Schienen werden ebenfalls erneuert.

Im Bereich Kremmen werden drei Bahnübergänge ausgebaut. Dabei kommt es auf der L19 für fünf Tage zu einer Vollsperrung, ferner wird der Verkehr einspurig an der Baustelle vorbeigeführt.

Die Kremmener Bahnbrücke über den Ruppiner Kanal wird erneuert.

Je nach Lärmbelastung werden teilweise Lärmschutzwände installiert. Einige Häuser bekommen passiven Lärmschutz, indem zum Beispiel entsprechende Fenster eingebaut werden.