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Das Thema Schulentwicklungsplan war auf der Tagesordnung im Kreistag Oberhavel

OGA vom 08. Dezember 2023 OBERHAVEL

Notlösungen sollen ein Ende haben

Bildung

Überfüllte Klassen sind in Oberhavel an der Tagesordnung. Lehrer und Schüler sind am Limit. Nun wurden konkrete Maßnahmen beschlossen, um dem Problem zu begegnen.

Von Stefan Zwahr

In Oranienburg und Umgebung stehen Schulen vor großen Herausforderungen. Der anhaltende Zuzug sorgt dafür, dass immer mehr Kinder und Jugendliche in die ohnehin schon ausgelasteten Schulen drängen. Die Zeiten, in denen durch Containerbauten Notlösungen geschaffen wurden, sollen der Vergangenheit angehören. Das sind die Pläne.

Diskutiert und beschlossen wurden sie am Mittwoch, 6. Dezember, im Kreistag in Oberhavel – nach monatelangen Kontroversen in den Fachausschüssen. Nun gab es Ergebnisse, die sich auch im Schulentwicklungsplan wiederfinden. Dieser wurde aktualisiert und dient in den kommenden Jahren als Grundlage bei der Gestaltung der Bildungslandschaft.

Es ist nicht die beste Lösung, aber die optimale.

Christopher Gordjy (SPD) Kreistagsmitglied

Sieben Züge sind an diesem Standort dauerhaft nicht zu verkraften.

Manuela Brüssow Torhorst-Schulleiterin

So ist die Situation

Im Rahmen der Einwohnerfragestunde waren Beispiele aus der Praxis aufgezeigt worden. So schilderte Stephan Welker, Vorstandsmitglied im Kreiselternrat, Szenen aus Schulen, „die alle überfüllt worden sind“. Dennoch kann längst nicht jedem Schüler wohnortnah ein Angebot unterbreitet werden. Auch der Germendorfer betont, dass Schulwege länger werden. „Schüler aus Glienicke werden in Hennigsdorf zugewiesen, Kinder aus Germendorf müssen nach Löwenberg.“

Als das Paradebeispiel für volle Schulen wurde zuletzt immer wieder die Torhorst-Gesamtschule Oranienburg genannt. Deren Schulelternsprecher Torsten Martin unterstreicht: „Die geplante Zügigkeit treibt uns um.“ Die Einrichtung wurde einst für fünf Klassen pro Jahrgangsstufe ausgelegt, aktuell sind es teilweise sieben. „Das Gebäude platzt aus allen Nähten, das Kollegium ist am Limit“, berichtet Manuela Brüssow. Die Schulleiterin hatte sich im November-Bildungsausschuss umfassend zum schwierigen Alltag geäußert. Nun forderte sie einmal mehr: „Der Lehrprozess muss für die Lehrkräfte noch überschaubar sein. Sieben Züge sind an diesem Standort dauerhaft nicht zu verkraften.“

Die wichtigsten Beschlüsse

Zu diesem Szenario wird es auch nicht kommen. Ein Antrag der CDU, wonach die Zügigkeit in den kommenden Jahren begrenzt wird, fand eine Mehrheit. Dauerhafte Zügigkeitserhöhungen durch Schulerweiterungsbauten und temporäre Zügigkeitserhöhungen sollen eine Ausnahme bilden. „Einfache und schnelle Notlösungen werden irgendwann zur Belastung. Den Weg, wonach der enorme Mangel an Schulplätzen durch Container behoben wird, werden wir nicht mitgehen“, ließ Katrin Gehring verlauten. Es war nicht der einzige erfolgreiche Vorstoß der Christdemokraten im Kreistag. Dieser fasste am 6. Dezember unter anderem diese Beschlüsse:

 Errichtung einer Gesamtschule in Velten: Diese soll bis zum Schuljahr 2027/28 in unmittelbarer Nachbarschaft des Gymnasiums entstehen. Geplant wird mit fünf Zügen pro Jahrgangsstufe.

 Das Schulzentrum Libertas Löwenberg (bestehend aus Grund- und Oberschule) soll in die Trägerschaft des Landkreises Oberhavel – der damit für Bau, Betrieb und Ausstattung zuständig ist – übernommen werden. Ziel des Kreises ist es, kreisweit vergleichbare Lernbedingungen für Schüler und somit Chancengleichheit zu schaffen.

 Der Landkreis wurde beauftragt, die Errichtung einer Gesamtschule in der Region Oberkrämer/Kremmen „mit günstiger Anbindung an den ÖPNV“ zu prüfen. Die Linke begründete den Antrag mit der steigenden Nachfrage nach dieser Schulform. Ursel Degner: „Insbesondere im Raum Oberkrämer und Kremmen besteht seit vielen Jahren ein enormer Zuwachs an Einwohnern, mit entsprechend vielen Kindern und Jugendlichen. Schulen müssen dort entstehen, wo die Menschen leben.“

Der Landkreis beabsichtigt, eine neue weiterführende Schule in Schönfließ (Mühlenbecker Land) zu errichten. Die Planungen sehen darüber hinaus vor, den Erwerb der allgemeinen Hochschulreife bereits nach zwölf Schuljahren zu ermöglichen.

 Die Torhorst-Gesamtschule Oranienburg soll mit einem dauerhaften Erweiterungsbau ausgestattet und damit als sechszügige Einrichtung ausgebaut werden. Des Weiteren wird die Oberschule in Lehnitz als zukünftige sechszügige Gesamtschule ausgebaut. Um die fehlenden Gesamtschulplätze im Planungsgebiet abzudecken, sei diese Entwicklung dringend geboten, so die Linken.

Eine neue Schule in Velten

Einen intensiven Gedankenaustausch gab es gerade zum geplanten Schulneubau in Velten. Bildungsdezernent Holger Mittelstädt unterstrich die Notwendigkeit. „Ohne eine weitere weiterführende Schule fehlt ab 2027 im Bereich Velten, Hennigsdorf und Oberkrämer eine erhebliche Anzahl von Plätzen in der Klassenstufe sieben.“ Nur auf diesem 25.500 Quadratmeter großen Areal in Velten seien die Planungen so weit, dass mit dem Bau begonnen und in einem engen Zeitplan eine Schule errichtet werden kann.

Die CDU blieb bei ihrer ablehnenden Haltung. „Dieses Areal ist für uns der versprochene Standort für den Ersatzneubau für die Zürner-Oberschule.“ Die neue Schule wiederum würde sich in unmittelbarer Nähe von Zürner-Oberschule und Gymnasium befinden. Gehring rechnete vor, dass in Spitzenzeiten mehr als 1600 Kinder und Jugendliche zusammenkommen würden. „Mit dieser Masse an Schülern können und wollen wir nicht umgehen. Wir sind gegen diese starke Ballung.“ Auch die Linke warnte durch Ursel Degner davor, unüberschaubare Schulstandorte zu errichten. Soziale Spannungen seien vorprogrammiert. Die SPD hielt dagegen. „Es ist nicht die beste Lösung, aber die optimale“, bemerke Christopher Gordjy. Zuvor hatte er schon verlauten lassen, dass „keine idealen Lernbedingungen“ immer noch besser seien, als in keiner Schule zu lernen. Seine Parteifreundin Jutta Lindner hält die Diskussion um die Ballung für Stimmungsmache. „Die Schüler beeinflussen sich beim Lernen in keiner Weise.“

Kritik von und an der AfD

Die AfD um Tim Zimmermann sah es pragmatisch. „Das Projekt ist nicht perfekt, aber sonst passiert gar nichts.“ Die jüngste Pisa-Studie habe das Fiasko in der deutschen Bildungspolitik aufgezeigt. Auch in Oberhavel würde es sich nur um Flickwerk handeln. Der Oranienburger klagt an: Es gibt zu wenig Schulen, akute Raumnot, zu hohe Frequenzen in den Klassen, zu wenig Lehrer und im Norden des Kreises unzumutbar weite Schulwege. Aussagen, die Uwe Münchow (FDP) auf den Plan riefen. Er erinnerte daran, dass es mehrere Arbeitskreise gegeben habe, bei denen über die Bildungspolitik in Oberhavel gesprochen wurde. „Die AfD war fast nie dabei.“