Archiv der Kategorie: Allgemein

Interessante Historie aus Oranienburg (I)

OGA vom 01.06.2021 Oranienburg

Bürgermeister wird verhaftet und seines Amtes enthoben

Serie Der Historiker Bodo Becker hat die Straßennamen der Kreisstadt unter die Lupe genommen. Dabei entdeckt er so manches Geheimnis aus der Vergangenheit. Teil 10/Ende

In den 1950er Jahren bereits ein weithin sichtbares Wahrzeichen der Stadt: der historische Kornspeicher.Fotos (2): Archiv Bodo Becker

Bodo Becker

ommen wir zur Adolf-Dechert-Straße, so benannt seit 2005. Der Namensgeber Dechert (1875 bis 1958) hatte im Mai 1945 kurzzeitig das Amt des ersten Bürgermeisters inne. Im Juni 1948 wählte man das städtische Gründungsmitglied der CDU zum Stadtoberhaupt. Schon wenige Monate später wurde er von sowjetischen Behörden verhaftet und seines Amtes enthoben.

Bank, Kino und Rathaus

Der Begriff „Steg“ wurde abgelehnt, da aus dem Fußgängerübergang eine Fahrzeugbrücke hätte werden können.

Doch schauen wir nun in die Mitte des 19. Jahrhunderts. Der nach 1850 zugeschüttete Stadtgraben gab der Straße ihren Verlauf zur Havel (bereits erwähnt in Teil 6). Am 1. März 1884 zog die Kaiserliche Post in das Eckhaus der Berliner Straße und inspirierte zwei Jahre später den Magistrat zur Namensgebung. Und obwohl sie ab 1. April 1900 an die belebte Bernauer Straße in das heutige MBS-Gebäude umzog, behielt die Poststraße ihren Namen bis zur Umbenennung. In der kurzen Straße befanden sich zeitweilig die Oranienburger Bank, die Präparandenanstalt (Vorbereitungsschule für das Lehrerseminar), ein Kino und von 1923 bis 1952 das Oranienburger Rathaus im Gebäude der geschlossenen Präparandenanstalt.

Wir durchlaufen die Straße in Richtung Havel und gelangen zum 1911/12 gebauten Louise-Henriette-Steg. Sein 1895 entstandener hölzerner Vorgänger stand bis zur Havelbegradigung etwas näher zur Havelstraße und hieß im Volksmund wegen seines „steilen“ Übergangs Schwindsuchtbrücke. Einen amtlichen Namen gab es wohl zunächst nicht, denn das Adressbuch von 1912/13 führt nur einen Bahnhofsweg als Verbindung zur Lehnitzstraße an.

Diskussionen in der SVV

Am 30. Juni 1915 kam es auf der Stadtverordnetenversammlung darüber zu einer Diskussion. Der Vorschlag des Magistrats, Luisensteg, war auf Ablehnung des Stadtverordnetenvorstehers Edmund Kienast gestoßen. Er hielt die Bezeichnung „Steg“ für nicht angemessen, weil nach seiner Meinung in einigen Jahren aus dem Fußgängerübergang ohnehin eine Fahrzeugbrücke werden würde. Andere Abgeordnete wandten sich gegen die wiederholte Verwendung des Namens Luise. „Prinzenbrücke“ als Kompromiss fand keine Zustimmung. Schließlich einigte man sich auf den Vorschlag von Kienast: Luisenbrücke. Doch der Name setzte sich offenbar nicht durch: Eine Ansichtskarte der Serie Heimatbilder (herausgegeben von der Heimatkundlichen Vereinigung) betitelte sie 1925 noch einfach als Fußgängerbrücke; Rehberg nannte sie 1927 Luisensteg; im Adressbuch von 1928 finden wir Brücke und Weg schlicht als Straße 18; es folgte 1937 Louise-Henriette-Steg; 1938 bis 1992 dann Luise-Henriette-Steg. So kam es, dass wir in Oranienburg „Stege“ und Brücken haben (bereits erwähnt in Teil 5).

Pferdeinsel statt Volkspark

Lassen wir die zierlich erscheinende Brücke mit den Bögen hinter uns und gehen die ersten Schritten durch die vor uns liegende hohe Baumallee, ebenfalls Louise-Henriette-Steg (richtiger wäre Steig) genannt, so kommen wir am Gelände der 1912 gebauten und 1966 geschlossenen hölzernen Badeanstalt (Freizeithafen) vorbei. Bis 1910 machte die Havel hier einen ausladenden Bogen, sodass mit dem Durchstich im Zuge der Begradigung eine Insel, genannt Inselwiese, entstand. Die Badegäste nutzten sie, über einen hölzernen Steg erreichend, als idyllische Liegewiese. Mit dem Arbeitseinsatz von KZ-Häftlingen wollte die Stadverwaltung 1933/34 einen „Volkspark Inselwiese“ anlegen. 1945 weideten dann Pferde auf ihr, sodass der noch immer bestehende Name Pferdeinsel aufkam. Das Verlanden des Havelaltarms ließ den reizvollen Inselcharakter verschwinden. Geblieben ist ein grüner Spiel- und Erholungsraum an der Havel inmitten der Stadt.

Nach kurzer Zeit erreichen wir die Lehnitzstraße und biegen dann in die Willy-Brandt-Straße zum Bahnhof ein, wo unser Rundgang durch die Stadt im 1. Teil begann. Ende

Interessante Historie aus Oranienburg

OGA vom 26.05.2021 Oranienburg

Ein namensgebender Wunsch
und ein Galgenberg

Serie Der Historiker Bodo Becker hat die Straßennamen der Kreisstadt unter die Lupe genommen. Dabei entdeckt er so manches Geheimnis aus der Vergangenheit. Teil 9

Die Kremmener Straße mit den Werkshäusern der ersten deutschen Stahllederfabrik von „Heintze & Blanckertz“.Fotos (2): Archiv Bodo Becker

Bodo Becker Previous Next D

as Gebiet südöstlich der Berliner Straße bis zur Havel nannte man noch in den 1920er Jahren Berliner Feld. Bemerkenswert ist hier der noch vor hundert Jahren vorhandene Flurname Hammelplan.

Das Areal zwischen der heutigen Robert-Koch-Straße und der Isarstraße war Besitz der Fleischerinnung gewesen, die es 1823 bei der Neuordnung des Grundbesitzes (Separation) als Weideplan erhalten hatte. Hier befand sich auch der Gutsbezirk Havelhausen, der dem Berliner Unternehmer Gustav Ebell (gestorben 1916) gehörte. Schon vor dem 1. Weltkrieg hatten Ebell und sein Gutsverwalter Max Drope für die Erschließung und Bebauung des Geländes eine Straße und eine Havelbrücke geplant. Im Auftrag von Ebell führte der Verwalter die notwendigen Verhandlungen für die Realisierung mit dem Magistrat und den Behörden in Potsdam. Nach ihrer Fertigstellung 1913 verläuft diese als Ringstraße von der Kurfürstenstraße (André-Pican-Straße, Abzweig Dr.-Heinrich-Byk-Straße) über die Lehnitzstraße bis zur errichteten Havelbrücke, die man als Kaiser-Wilhelm-Brücke einweihte. Von hier trug sie durch das Berliner Feld bis zur Berliner Allee (Berliner Straße) den Namen Gustav-Ebell-Straße. Damit hatte die Stadt  ihre erste Umgehungsstraße bekommen.

1922 schraubte man das gusseiserne Namensschild ab und die Havelbrücke erhielt einige Jahre später den Namen Ringstraßenbrücke. Die Abstimmung im Jahre 1935 über die Zugehörigkeit des Saarlands zum Deutschen Reich brachte mit Saarlandstraße und Saarlandbrücke neue Namen. 1945 fielen die Brückenteile nach einer Sprengung durch die Waffen-SS in die Havel. Erst 1990 konnte die unterbrochene Umgehungsstraße mit einem Brückenneubau, bezeichnet als Havelbrücke Saarlandstraße, wieder geschlossen werden. Bei den Brückenprüfungen ab 2000 setzte sich dann der Name Dropebrücke durch. Ende 2019 konnte anstelle der rückgebauten Brücke die neue Dropebrücke eingeweiht werden.

Zwischen der rückseitigen Begrenzung des Stadtfriedhofs und dem Oranienpark (ehemals Gelände der Stahlfederfabrik „Heintze & Blanckertz“) verläuft die Friedensstraße (1920 Frieden­straße). Der Name sollte nicht nur einen Wunsch ausdrücken, sondern bezog sich auch auf die anliegenden Friedhöfe als Orte des Friedens (bereits erwähnt in Teil 7).

Die Bebauung an der Ecke Friedens- und Kremmener Straße geschah in den 1920er Jahren mit Werkshäusern der Stahlfederfabrik. In den Häusern mit ausgebautem Dachgeschoss wohnten jeweils drei Familien. Zu jeder Wohnung gehörte ein kleines Stück Gartenland. Die 1912/13 errichteten Fabrikgebäude (bis 1990 VEB Kaltwalzwerk, heute „Oranienwerk“) lehnen sich mit ihrer Fassadengestaltung sichtbar an das Waisenhaus an. Bevor in ihnen Generationen von Industriearbeitern ihren Lebensunterhalt verdienten, verrichtete der Müller Hermann Iden auf dem noch unbebauten Grundstück bis 1911 mit der letzten Oranienburger Bockwindmühle sein Tagwerk. Wie der Müller galt in der mittelalterlichen Ständegesellschaft auch der Scharfrichter als „unehrlicher“ Beruf. Ballhorn schreibt 1850 in seiner Stadtgeschichte: „Auch ein Galgen muß bei Bötzow gestanden haben… Vor dem Nauener Tore, in der Gegend des jetzt zur Windmühle gehörigen Gartens, lag nach einer Karte vom Jahre 1720 der Garten am Galgenberg“. Zufall?

Fortsetzung folgt…

Wer soll in Brandenburg künftig Impfen?

OGA vom 06.05.2021 Brandenburg

Streit um die Zukunft der Impfzentren

Pandemie Brandenburg steht vor der Frage, wer künftig die Vakzine verabreichen soll. Gerade jetzt, wo mehr Impfstoff nach Brandenburg kommt, eskalieren die Verteilungsprobleme. Die Landkreise wollen sich nicht rausdrängen lassen.
Von Ulrich Thiessen

Haben die Impfzentren wie dieses hier in Frankfurt (Oder) bald ausgedient? Darüber entscheidet ein Impfgipfel in der Staatskanzlei von Brandenburg am kommenden Montag.

Bernd Settnik/dpa

Endlich soll deutlich mehr Impfstoff nach Brandenburg kommen – die Landesregierung sieht deshalb aber einen drohenden Engpass in den Arztpraxen. Um das Ziel des Impfangebots für alle bis September zu schaffen, müsse es ab dieser Woche 100.000 Impfungen pro Woche bei den niedergelassenen Ärzten im Durchschnitt geben, sagte Innenminister Michael Stübgen (CDU) am Mittwoch im Gesundheitsausschuss des Landtags in Potsdam. „Das ist eine enorme Belastung.“ In den Impfzentren müsse es mindestens 50.000 Impfungen pro Woche für Mai und Juni geben.

Die Kassenärztliche Vereinigung (KVBB) habe allerdings angekündigt, sie sei wegen der Impfungen in Arztpraxen nicht in der Lage, langfristig alle Impfzentren offenzuhalten. Im Gespräch sei, dass Landkreise die Zentren komplett übernehmen. Der Minister warnte, es könne sein, dass Impfzentren unter bestimmten Umständen wochenlang leer stünden. Als positive Nachricht nannte er aber: „Wir bekommen jetzt wirklich genug Impfstoff.“ Für Brandenburg sind im Mai nach Prognosen des Bundesgesundheitsministeriums rund 298.000 Impfdosen geplant, für Juni rund 376.000 Impfdosen. Am kommenden Montag sollen in einer Runde mit Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) die Wogen wieder rund um die brandenburgische Impfstrategie geglättet werden. Auf einem landesweiten Impfgipfel geht es vor allem darum, den Streit zwischen der Kassenärztlichen Vereinigung und den Landkreisen um die Verteilung der Impfdosen beizulegen.

Kassenärzte
wollen mit
Woidke allein reden.

Die KVBB forderte vorher ein Treffen mit dem Regierungschef ohne die anderen Beteiligten – einen „ärztlichen Impfgipfel“, wie der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Peter Noack erklärte.  Er betonte, dass die Hausärzte schneller und effektiver die Impfstoffe an den Mann bringen können. Außerdem nehme die Bereitschaft der Kollegen ab, in den Impfzentren zu arbeiten. Noack betonte, dass man nicht die sofortige Schließung der Impfzentren fordere. Schließlich seien noch Termine bis Mitte Juni dort gebucht, die nicht, ohne viel Frust zu verursachen, neu verteilt werden könnten. Aber es müsse jetzt über die Zukunft der Impfzentren geredet werden, fordert Noack.

Am Dienstag hatte der Landkreistag seine Forderungen für den Impfgipfel aufgestellt.  In einem Schreiben an die Staatskanzlei und den für das Impfen zuständigen Innenminister heißt es, dass das Agieren der KVBB mit großer  Besorgnis betrachtet werde. Angesichts steigender Lieferungen an Impfdosen müsse an allen Teilen der Impfstrategie festgehalten werden. Einzig von den mobilen Teams des DRK, die zurzeit noch ambulante Behinderteneinrichtungen anfahren, ist in den Überlegungen der Kreise keine Rede mehr.

Die Landräte verlangen, dass die Impfzentren über den 30. Juni hinaus, wenn die Verträge für deren Betreibung auslaufen, weiter betrieben werden. Schließlich gebe es Teile der Bevölkerung, die keinen Hausarzt haben und die deshalb über Impfzentren besser zu erreichen seien. Das betreffe vor allem jungen Menschen.  Zudem sei in einigen Regionen die Versorgung mit Hausärzten lückenhaft.

Einzelne Landräte hatten zudem vorgeschlagen, die rund 330 Arztpraxen, die in einem Modellprojekt seit März Impfstoffe erhalten, nicht mehr aus dem Kontingent des Landes zu bedienen. Die betroffenen Ärzte könnten inzwischen ausreichend über Apotheken beliefert werden. Die KVBB kontert mit einem entgegengesetzten Vorschlag. Sie könnte sich vorstellen, dass der Bund die Impfdosen künftig nur noch über die Großhändler und Apotheken an die Ärzte verteilt – ohne Kontingente, die über die Länder laufen. Angesichts solcher Debatten  wollen die Landräte eine Garantie erwirken, dass ihre kommunalen Impfprojekte weiter ausreichend mit Impfstoffen beliefert werden. Dazu zählen die Krankenhäuser, die in einigen Kreisen als Impfzentren fungieren oder Impfbusse und Verträge mit niedergelassenen Ärzten über Kreiskontingente.

In einem internen Papier des Landkreistages wird dem Land Brandenburg der Vorwurf gemacht, künftig nur noch Impfstoffe an die Kreise abgeben zu wollen, wenn vor Ort mobile Teams für die ländlichen Räume zusammengestellt werden. In der Landesregierung ist in diesem Zusammenhang von „sozialem Impfen“ die Rede. Gemeint sind mobile Teams, die in den Kommunen Impfangebote für diejenigen unterbreiten, die den Aufwand scheuen, in Impfzentren zu gehen oder Ärzte aufzusuchen.

Intern wird auch gestritten, wer welchen Impfstoff verwenden darf. Das zuständige Innenministerium hatte schon im April signalisiert, dass die Impfzentren kein Astrazeneca mehr verimpfen sollen, da die Zweitimpfungen ein Vierteljahr später erfolgen und dann diese Einrichtungen schon geschlossen sein könnten. Deshalb sollten die Hausärzte verstärkt Astrazeneca verimpfen. Die bestellen aber bis auf die 330 in Modellpraxen ihren Impfstoff direkt über den Großhandel und  Apotheken.

Für kommenden Montag wird eine Einigung erwartet, wie die bisherige Strategie des Landes fortgesetzt wird. Die Landkreise erwarten zudem wöchentliche Informationen über die Verteilung der zur Verfügung stehenden Impfdosen. mit dpa

Impf-Zertifikat mit QR-Code soll in Brandenburg noch im Mai starten

Die Kassenärztliche Vereinigung Brandenburg (KVBB) will noch im Mai ein Impf-Zertifikat für Personen erproben, die zweimal gegen das Coronavirus geimpft worden sind. Das erklärte der stellvertretende Vorstand Holger Rosteck am Mittwoch in Potsdam. Aktuell werde zusammen mit Thüringen an einem entsprechenden Modell gearbeitet. Ziel ist es, dass in den Arztpraxen ohne viel bürokratischen Aufwand ein Blatt mit einem QR-Code an vollständig geimpfte Personen ausgegeben werden kann. Diejenigen, die in Impfzentren geimpft wurden, sollten das Zertifikat zugeschickt bekommen.

Mit dem Code könnte in Restaurants oder an Flughäfen eingecheckt werden. Später soll der Code in einer App hochgeladen werden können. Rosteck versicherte, dass bis Ende Mai spätestens die technischen Voraussetzungen geschaffen werden sollen. Ziel sei, zu Beginn der Feriensaison den geimpften Brandenburgern das Zertifikat zur Verfügung zu stellen. Unklar ist noch, ob diejenigen, die bereits in Praxen ihre zwei Impfungen erhalten haben, noch einmal zu ihrem Arzt gehen müssen, um das Zertifikat zu erhalten.

Das Impftempo in Brandenburg nimmt zu. Der Impfstoff Astrazeneca ist für Personen, die jünger als 60 Jahre sind, zur Verimpfung in Arztpraxen freigegeben. Wer ihn bekommt, darf in den Praxen ab sofort frei entschieden werden.

Eine Auswahl impfender Arztpraxen findet sich im Internet unter www.kvbb.de/pilotpraxen.

Corona: die Inzidenz sinkt weiter – im Landkreis OHV sind Lockerungen möglich

OGA vom 06.05.2021 Titel

Inzidenz sinkt weiter:
Lockerungen im Landkreis

Corona Der Sieben-Tage-Inzidenzwert in Oberhavel bleibt unter 100. Damit stehen Öffnungsschritte bevor. Die Corona-Testpflicht wird gelockert. Von Marco Winkler

Am Freitag wird die Bundesnotbremse außer Kraft gesetzt. Es braucht dann kaum noch Corona-Tests.

Marco Winkler A

bstand, Maskenpflicht und eine umfangreiche Teststrategie des Landekreises zahlen sich offenbar aus: Am Mittwoch lag die Inzidenz am fünften Werktag infolge unter der 100er-Marke (78,4). Damit tritt die Bundesnotbremse außer Kraft. Ab Freitag, 7. Mai, greifen Lockerungen, die Ausgangsbeschränkung wird aufgehoben. Erste Öffnungsschritte stehen (erneut) dem Einzelhandel bevor. Die Pflicht, einen tagesaktuellen negativen Corona-Test vorlegen zu müssen, entfällt ab Freitag für Friseure, den Tierpark Germendorf, der eigens ein Testzentrum am Eingang eingerichtet hatte, und den Schlosspark Oranienburg.

Es können sich auch wieder mehr Menschen privat und öffentlich treffen. Durfte bisher nur eine Person aus einem weiteren Haushalt empfangen werden, sind es ab Freitag maximal fünf Menschen aus zwei Haushalten, die zusammenkommen dürfen. Kinder unter 14 Jahren werden nicht mitgezählt.

Shoppen und Friseurbesuche ohne einen
Corona-Test sind wieder möglich.

Wieder „Click & Meet“

Nach mehreren Wochen „Click & Collect“ im Einzelhandel, wo die zuvor bestellte Ware nur abgeholt werden konnte, gilt beim Shoppen nun wieder „Click & Meet“ – nach vorheriger Terminbuchung darf mit Maske (und ohne Test) eingekauft werden. Inhaber müssen 40 Quadratmeter pro Kunde freihalten. In Apotheken, Drogerien, Buchhandlungen, Bau- oder Gartenmärkten unter 800 Quadratmeter sind es zehn Quadratmeter pro Kunde.

Der Besuch von Kosmetik- und Nagelstudios, Massagepraxen und Tattoo- sowie Sonnen-Studios ist nun wieder erlaubt. Einen negativen Corona-Test braucht es dafür nicht. Die Ausnahme bildet die Gesichtskosmetik, hier muss ein Test vorgelegt werden.

Der Sportbetrieb auf und in allen Sportanlagen ist zwar weiter untersagt. Das heißt, Hallen, Fitnessstudios, Tanzstudios und -schulen sowie vergleichbare Einrichtungen bleiben geschlossen. Doch unter freiem Himmel ist der kontaktfreie Sport wieder mit bis zu zehn Personen möglich. Die Nutzung von Umkleiden und anderen Aufenthaltsräumen oder Gemeinschaftseinrichtungen bleibt untersagt. Für Kinder und Jugendliche bis 14 Jahren ist gemeinsamer Sport auf allen Sportanlagen unter freiem Himmel in dokumentierten Gruppen von bis zu 20 Kindern gestattet. Auf Golf, Reit- und Modellflugplätze dürfen zehn Personen (oder 20 Kinder) Sport ausüben.

Gedenkstätten und Museen sowie Bibliotheken dürfen wieder öffnen. Auch hier gilt: Terminvereinbarung, Abstand, Maske. Theater, Kinos, Spielhallen, Freizeitbäder wie die Turm Erlebniscity, Saunen und mögliche Bordelle in Oberhavel sowie Gaststätten, Bars, Cafés und Kneipen bleiben weiterhin geschlossen.

Die Lockerungen werden rückgängig gemacht, sobald die Inzidenz an drei Tagen hintereinander über 100 liegt. Die Zahl der Neuinfektionen bleibt jedoch niedrig. Innerhalb von 24 Stunden wurden am Mittwoch 14 neue Fälle gemeldet.

Massenentlassungen bei Sana Kliniken in Sommerfeld geplant

OGA vom 04.05.2021 S-Bahn-Gemeinden

Betriebsrat entsetzt über Kündigungen

Widerstand Nach der Ankündigung von Massenentlassungen bei den Sana Kliniken formiert sich Widerstand.

Protest formt sich gegen die Entlassungen in den Sana Kliniken Sommerfeld.

Dirk Nierhaus

Sommerfeld. „Mit großem Entsetzen“ hat der Betriebsrat der Sana Kliniken Sommerfeld über den Konzernbetriebsrat erfahren, dass die DGS pro.service GmbH bis spätestens 31. Dezember alle Geschäftsbereiche bis auf die Reinigung schließen wird. Dies teilte am Montagnachmittag auf Nachfrage   die Betriebsratsvorsitzende Manuela Weidner in den Sana Kliniken Sommerfeld mit. Kurz vor dem Wochenende hatte der Konzern mitgeteilt, an allen Standorten insgesamt 1000 Mitarbeiter zu entlassen.

Solidarität in Sommerfeld

Am Standort in Sommerfeld herrscht großes
Unverständnis über die Entscheidung.

Formal ist der Betriebsrat der Sana Kliniken Sommerfeld für die neun Kollegen der DGS pro.service GmbH am Standort Sommerfeld nicht zuständig, so Manuela Weidner. „Wir erklären uns aber mit den betreffenden Mitarbeitern solidarisch.“ Es sei nicht nachvollziehbar, „wie man gerade jetzt, mitten in der dritten Welle der Corona-Pandemie, mehr als 1000 Mitarbeiter entlassen kann, die doch so dringend für den reibungslosen Ablauf im Klinikalltag gebraucht werden“, so die Sommerfelder Betriebsratsvorsitzende.

Mit der Umsetzung dieser sehr weitreichenden Entscheidung gefährde die Sana AG in Ismaning „den ordnungsgemäßen Betrieb ganzer Krankenhäuser und somit kurzfristig aber auch langanhaltend den wirtschaftlichen Erfolg des gesamten Unternehmens“, so Manuela Weidner. In einem offenen Brief fordert die Konzernbetriebsratsvorsitzende der Sana Kliniken AG, Gudrun Hedler, die Konzernspitze auf, die Kündigung zurückzunehmen.

„Völlig unverständlich“

Dem Konzernbetriebsrat sei es „völlig unverständlich“, wie es zu so einer Entscheidung, „gerade in dieser angespannten Situation in unseren Häusern“, kommen konnte. Gudrun Helder: „Ohne die Kolleginnen und Kollegen an den Patienteninformationen, der Bettenreinigung, des Lagers und der Versorgungsdienste, ständen viele unserer Kliniken vor der Kapitulation. Wie wäre die Pflege und die medizinische Betreuung, die eh schon kaum zu leisten ist, denn überhaupt möglich ohne Stationshilfen und Patientenbegleitdienst?“ Am Standort  der Sana Kliniken in Sommerfeld herrsche, nach Aussagen einiger Mitarbeiter, allgemeines Kopfschütteln und Unverständnis über die Konzernentscheidung. bu

In Oberhavel wird der Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ wieder gestartet

OGA vom 21.04.2021 S-Bahn-Gemeinden

„Unser Dorf hat Zukunft“ startet wieder

Wettbewerb Gesucht werden Gemeinschaften, die sich mit neuen Ideen den Herausforderungen des Landlebens stellen.

Oberhavel. Der Landrat ruft alle ländlichen Gemeinden zur Teilnahme am Kreiswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ auf. In der Vergangenheit habe der Dorfwettbewerb eindrucksvoll unter Beweis gestellt, wozu dörfliche Gemeinschaften in der Lage sind, wird Ludger Weskamp in einer Pressemitteilung der Kreisverwaltung zitiert.

Am Wettbewerb teilnehmen können räumlich zusammenhängende Gemeinden oder Gemeindeteile mit überwiegend dörflichem Charakter bis zu 3000 Einwohnern. „Die Pandemie bestimmt unseren Alltag. Jetzt geht es darum, trotz sozialer Distanz Gemeinschaftsgefühl und Zusammenhalt sowie den Willen zu stärken, die Krise gemeinsam zu bewältigen. Der Wettbewerb bietet dazu eine große Chance“, so Weskamp.

Gesucht werden Dorfgemeinschaften, die sich mit neuen Ideen den Herausforderungen des Landlebens stellen, die die Zukunft ihrer Heimat engagiert mitgestalten sowie mit Zusammenhalt und Gemeinschaftsgeist die Dorfentwicklung vorantreiben. „Wir wollen am Jahresende lebendige, liebens- und lebenswerte Dörfer mit engagierten Bewohnerinnen und Bewohnern auszeichnen“, bemerkt Egmont Hamelow, Dezernent für Bauen, Wirtschaft und Umwelt. Wie auch bei den Wettbewerben zuvor sei der Kreis nicht auf der Suche nach dem perfekten Erscheinungsbild eines Dorfes. „Der Schwerpunkt des Wettbewerbs liegt vielmehr im sozialen Zusammenhalt, im bürgerschaftlichen Miteinander und in der Sicherung von Beschäftigung und Mobilität. Das Leben im ländlichen Raum soll auch künftig attraktiv sein und langfristig eine Alternative zum Leben in der Stadt bieten.“

Bei der Neuauflage des Wettbewerbs geht es um zukunftsgewandte Ideen für eine ganzheitliche Entwicklung des Dorfes und darum, wie sie umgesetzt werden. Dabei bilden Vereine, Gruppen und Einzelpersonen, die sich verantwortlich fühlen für ein vielfältiges kulturelles, sportliches traditionsbewusstes Gemeinschaftsleben, den Kern dieser Entwicklung. Wichtig sind aber genauso auch Aktivitäten der ländlichen Wirtschaft, die soziale und kulturelle Integration von Jung und Alt, Angebote zur Sicherung der Lebensqualität sowie Leistungen in den Bereichen Dorferneuerung und -entwicklung. Zudem werden klassische Wettbewerbsinhalte, wie die Dorferneuerung oder der sensible Umgang mit der Bau- und Grüngestaltung von der Jury in die Wertung einbezogen. red

Bis zum 25. Mai können interessierte Gemeinden ihre Teilnahme beim Fachdienst Landwirtschaft und Naturschutz anmelden und bis zum 31. August ihre Bewerbung einreichen.

Bei dem Motto „…Gesucht werden Dorfgemeinschaften, die sich mit neuen Ideen den Herausforderungen des Landlebens stellen, die die Zukunft ihrer Heimat engagiert mitgestalten sowie mit Zusammenhalt und Gemeinschaftsgeist die Dorfentwicklung vorantreiben…“ muss sich ja Sommerfeld nicht noch einmal beteiligen.

Ich erinnere mich nur zu gut, wie eine Gruppe engagierter Bürgerinnen und Bürger hier einen Dorfladen ins Leben rufen wollten. Studien wurden betrieben, Machbarkeiten geprüft, alles war vorbereitet. Was fehlte war das Startkapital. Leider wurde dieses Projekt durch den einen und anderen „Unternehmer“ des Ortes klein geredet und als nicht tragbar beschrieben – vielleicht weil es als Konkurrenz angesehen wurde…? Wir werden es nie erfahren.

Lediglich die älteren Mitbürgerinnen und Mitbürger erfahren jeden Tag, wie schwerlich das Einkaufen des täglichen Bedarfes ist, wenn man immer die ca. 7Km bis nach Kremmen fahren muss – ohne regelmäßige Busanbindung und nur auf Nachbarschaftshilfe angewiesen zu sein.

Also her mit den Ideen, die vielleicht nicht gleich von vornherein durch gewisse Leute abgelehnt werden…

Heute im OGA: Kremmen koordiniert Impf-Fahrten

„04.02.2021 S-Bahn-Gemeinden

Kremmen koordiniert Impf-Fahrten

Corona Alle, die nicht selbst zum Impfzentrum fahren können, und die, die helfen wollen, sollen sich bei der Stadt melden.

Für Ältere ist es häufig eine Herausforderung, zum Impfzentrum zu gelangen.

Marco Winkler

Kremmen. Die Stadt Kremmen will die Impfkampagne unterstützen und die Koordinierung von ehrenamtlichen Fahrdienstleistungen übernehmen. Das teilt Andrea Busse mit. Unter der Überschrift „Kremmen hält zusammen!“ ruft die Verwaltung Freiwillige, die Fahrdienste übernehmen können, dazu auf, sich zu melden. „Auch wenn bisher nur wenige Kremmener einen Impftermin gegen das Covid19-Virus vereinbaren konnten, werden mit zunehmender Verfügbarkeit des Impfstoffes viele Impfwillige vor eine Herausforderung gestellt“, heißt es aus der Verwaltung. „Wie komme ich zu meinen Terminen? Wer selbst nicht mehr fahren kann oder möchte und dem der ÖPNV zu beschwerlich ist, der ist auf Hilfe angewiesen. Die Verwaltung möchte hier unterstützen und Hilfe organisieren, wie sie es zu Beginn der Pandemie bereits mit der Koordinierung einer Einkaufshilfe getan hat.“ Bürgerinnen und Bürger sollen sich melden, wenn sie einen Fahrdienst für ältere oder in ihrer Mobilität beeinträchtigte Mitbürger übernehmen können, erklärt Andrea Busse.

Alle, die einen Impftermin vereinbart haben und nicht selbstständig ins Impfzentrum fahren können, sollen sich ebenfalls melden. Die Stadt sammelt alle Anfragen unter der Rufnummer 033055 9980 und koordiniert den Fahrdienst. red“

„Nicht jammern – machen“

Mit dieser Überschrift titelt der OGA vom 30.12.2020 zu folgendem Thema:

30.12.2020 Oranienburg/Leegebruch

„Nicht jammern – machen“

Kultur Kremmens Theaterchef und Sänger Andreas Dalibor bringt eine neue Solo-CD heraus. Jeder Cent zählt, um die „Tiefste Provinz“ zu retten.

von Burkhard Keeve

Andreas Dalibor singt, schreibt und gewinnt der Pandemie auch etwas Gutes ab.

Der Mann denkt nach. Vielleicht liegt es am Alter, vielleicht weil er Lieder schreibt, oder weil er plötzlich so viel Zeit hat. Gezwungenermaßen. „Ich war noch nie so ruhig wie heute“, sagt Andreas Dalibor, „es muss nicht mehr alles so flink gehen“. Eine wichtige Erfahrung für den ewig Getriebenen. Jetzt schärft das Entschleunigen, das Herunterfahren die eigene Wahrnehmung. Was ist wichtig, was nicht? Demut kommt hinzu durch die Erkenntnis, wie verletzbar der Mensch, die ganze Menschheit ist. „Plötzlich kommt so ein kleines Virus und legt alles flach.“

Gekündigt zur Unzeit

Harte Zeiten,
ich mache
das Beste daraus,
ich kann es ja doch nicht ändern.

Andreas Dalibor könnte auch jammern. Der 62-Jähige ist Musiker, Autor, Theatermacher, Frühstücksbrötchen-Zubereiter (mit Hackepeter) und hat, denkbar ungünstig, im November seinen Job als Sozialarbeiter gekündigt. Damit sind auf einen Schlag alle Einnahmequellen versiegt. Die „Kombüse 11“ in Kremmen konnte nicht eröffnen, die Bockwurst zum Frühstück blieb kalt. Das von ihm betriebene Theater „Tiefste Provinz“ im Scheunenviertel hat seit Monaten keine Gäste empfangen.

Harte Zeiten für Kulturschaffende aller Couleur. Bei vielen geht es ums Überleben. Noch hat der Mann mit der Mütze und dem mehr grauen, als schwarzen Vollbart Reserven. Doch Geld wäre nicht schlecht. Also was macht ein Kulturschaffender? Er schafft Kultur.

Dalibor hat jetzt seine dritte Solo-CD herausgegeben, sein insgesamt siebtes Album. Treffenderweise heißt es „Zeiten“. „Damit versuche ich mein Theater über die Runden zu bringen“, so Dalibor. Die „Tiefste Provinz“ gibt es seit knapp 15 Jahren. Auch in den kommenden Jahren soll dort gelacht, gefeiert, gesungen und unterhalten werden.

Es ist sein Kind. Dalibor möchte sehen, wie es erwachsen wird. Anfang 2020, als es gut lief für das Theater, hat er 27.000 Euro in eine neue Heizung investiert, dann kam der erste Lockdown. „Zum Glück sind die meisten Theaterfreunde solidarisch und haben ihre bereits gekauften Karten nicht zurückgegeben“, sagt Dalibor. „Das hat mir sehr geholfen und rettet uns über die Runden.“

Tausend Mal geklickt

Die Solo-CD hat ungeplant mit einem Lied auf der Internetplattform Youtube angefangen, aufgenommen mit einfachsten Mitteln, zur Coronakrise. „Harte Zeiten“, heißt der Song und sei mehr so eine „spontane Schnapsidee“ gewesen. Doch das „Spontanwerk“ wurde in kurzer Zeit ein paar Tausend Mal im Netz angeklickt. Da entstand die Idee, das Lied nochmal „sauber“ im Studio einzuspielen. Und weil es gerade passte, kamen noch ein paar Songs hinzu, neue und ein paar, die „schon ein Weilchen in der Schublade lagen“.

Ein Teil der Lieder wurde im „Newbell Musik Studio“ in Berlin von Karsten Nubel, Gitarrist und der zweite führende Kopf von Dalibors Roadshow, produziert. Der andere Teil entstand im „Tonicum-Musikstudio“ in Groß Ziethen bei Jan Rase und Petra Kleinke.

Mit von der Partie ist auch Heinz Jung, Dalibors langjähriger musikalischer Begleiter am Piano. Die Aufnahmen wurden fast an einem Stück, ohne viel Schnick und Schnack, eingespielt. „First-Take“ sagen die Profis dazu. Das heißt, so wie es das erste Mal eingesungen wurde, blieb es auch. „Liedermachermusik, die an die alten Liedermacherzeiten erinnern soll“, so Dalibor.

Er singt von Erinnerung und Altern, über die Typen, die zu allem ihre Kommentare auf facebook, Instagram und Twitter abgeben, ohne je selbst mal etwas verbessert zu haben. Er singt von der Romantik im Plattenbau und vom Neustart in seinem Leben.

Helfer im Impfzentrum

Wie das aussehen kann? So wie es kommt. Jetzt hat er sich erst einmal als Helfer in einem Impfzentrum beworben und mit dem Saxofon-Spielen angefangen. Gut 150 „Zeiten“-CD’s hat er bisher verkauft. Andreas Dalibor lässt den Kopf nicht hängen. „Ich mache das Beste daraus. Ich kann es ja doch nicht ändern.“

Die CD gibt es für 15 Euro im Theater „Tiefste Provinz“, in der „Kombüse 11“, dem TIP in Kremmen, per E-Mail an
Musik@nubel.de oder über die Web-
seite www.tiefsteprovinz.de.

Selbst gemacht und echt

Bislang erschienen sind von Andreas Dalibor und seinen Mitmusikern die CD’s „Alles im Griff“ und „Alle über 30“ mit der Bertha Panyslowski Band, die „Null Chancen Tournee“ und „Schandmaul“ aus Dalibors Liedermacherzeiten, „Liebe tut weh“ und „Wir könn` tanzen“ mit Dalibors Roadshow sowie die ganz frühe Single (noch aus Venyl) „Tote Indianer“ mit der Band Bao Bao.

Kontakt: Andreas Dalibor,
daliborQ@t-online.de,
Telefon:  0170 2129135 bu

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Ich kenne Andreas schon sehr lange und bin gern Gast im Theater „Tiefste Provinz“ – und aktuell sehr traurig, dass dieser kulturelle Ort in Kremmen panemiebedingt geschlossen ist (wie so viele andere auch). Gern unterstütze ich das Durchalten und habe mir die CD gekauft – sehr hörens- und empfehlenswert.

Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr 2021

Liebe Leserinnen und Leser,

dieses Jahr war geprägt durch die Corona-Pandemie und den vielen Maßnahmen zur Eindämmung des Virus und zum Schutz der Menschen. Dennoch geht das gesellschaftliche Leben weiter, wenn auch mit Einschränkungen – nicht zuletzt auch derer geschuldet, die sich nicht an die Schutzmaßnahmen halten oder gar der Meinung sind, dass Covid19 eine Erfindung der Regierung oder anderer „einflussreicher Menschen“ ist.

Halten wir uns weiterhin an die AHA-Regeln, vermeiden unnötige Kontakte und bleiben hoffentlich negativ (i.S. des Corona-Tests).

Dennoch wünsche ich Ihnen eine frohe und erholsame Weihnachtszeit und ein gesundes und erfolgreiches neues Jahr 2021.

Ich habe mich sehr über das Interesse an meinem Blog im Laufe des Jahres gefreut. Natürlich wird dies für mich Ansporn sein, auch im nächsten Jahr wieder wichtige Termine rund um Kremmen, dem Stadtparlament und die Ausschüsse zu posten und selbstverständlich auch weitere Aktivitäten zu kommentieren.

Über Ihre Anregungen und Kommentare freue ich mich.

Landtag in Brandenburg ohne Fahrplan für die Digitalisierung der Schulen

Der Oranienburger Generalanzeiger vom 05.12.2020 titelte so auf Seite 13.

„Die Fachpolitiker im Bildungsausschuss wollen zwar die Defizite beheben, kommen aber über vage Formulierungen ohne Zeitvorgaben nicht hinaus.“ Von Mathias Hausding

Hier der komplette Artikel:

Einig waren sich die Abgeordneten aller Fraktionen am Donnerstag darin, dass in den vergangenen zehn Jahren zu wenig für die Digitalisierung der Schulen in Brandenburg getan wurde. Dies habe die Corona-Pandemie „noch einmal in zugespitzter Form verdeutlicht“, heißt es durchaus selbstkritisch in einem gemeinsamen Papier von SPD, CDU, Bündnisgrünen und Linkspartei. Jener dreiseitige Antrag der Fraktionen wurde auf der Sitzung des Bildungsausschusses dann auch beschlossen. Er zielt darauf ab, erkannte Defizite zu beheben. Schon im September waren die zahlreichen Baustellen bei einer Expertenanhörung des Ausschusses aufgezeigt zogen.

Unverbindliche Bitten

Dementsprechend umfangreich ist dann auch die Liste im Antrag auf den ersten Blick. Insgesamt 15 Forderungen richtet das Parlament an die Landesregierung. Allerdings handelt es sich ausschließlich um vage und unverbindliche Bitten, wie sich bei genauem Lesen zeigt. So wird die Regierung unter Punkt eins zu einer Selbstverständlichkeit aufgefordert, nämlich „die Strategie des Landes zur digitalen Bildung unter Berücksichtigung der Erkenntnisse aus dem Digitalpakt Schule weiterzuentwickeln“. Konkreter wird es an dieser Stelle genauso wenig wie in den folgenden Punkten. So möge die Regierung „prüfen“, ob die Beratungsmöglichkeiten für Schulträger und Schulen bei der Digitalisierung „weiter gestärkt werden können“. Auch solle sich die Koalition dafür einsetzen, dass weitere Bundesmittel nach Brandenburg fließen. An manchen Stellen werden zwar wichtige Punkte angesprochen, wie etwa die Verteilung der Verantwortung zwischen Land und Kommunen bei der Digitalisierung der Schulen sowie der Datenschutz und die Lehrerfortbildung. Aber mit ihren Forderungen dazu bleiben die Abgeordneten stets im Ungefähren, als sei das alles völlig unbekanntes Terrain. Dazu passt auch, dass an keiner Stelle im Antrag Angaben dazu gemacht werden, bis wann dieser oder jener Punkt in welchem Umfang umgesetzt sein sollte. Es findet sich nicht einmal ein Datum, bis zu dem das Bildungsministerium dem Ausschuss über den Stand bei der Umsetzung der Forderungen Bericht erstatten soll.

Während sich die SPD-Bildungsexpertin Katja Poschmann in der Ausschussdebatte „sehr zufrieden mit dem sehr gelungenen Antrag“ zeigte, bedauerte Kathrin Dannenberg (Linke) die Unverbindlichkeit des von ihrer Fraktion mitgetragenen Beschlusses: „Dort steht meist, dass Dinge zu prüfen oder auf etwas hinzuwirken ist. Mir fehlt der Zeitplan: Bis wann wollen wir bestimmte Sachen durchgesetzt haben?“, sagte Dannenberg. Auch wenn auf dem Weg immer wieder Hürden auftauchen könnten, sei es wichtig, ein paar Punkte mit Datum festzulegen. Katja Poschmann wies diesen Appell zurück. „Es ist alles nicht so einfach“, sagte sie, ohne den Gedanken weiter auszuführen.“

Ich bin schon sehr darüber erstaunt, dass es weder ein richtiges Konzept, noch einen Termin zur Umsetzung der Digitalisierung der Schulen gibt. Hat doch der Landkreis Oberhavel im September dieses Jahres eine Stelle zur/zum Systemverwalterin/Systemverwalter Schule (m/w/d) ausgeschrieben. Ich bin davon ausgegangen, dass die Ausschreibung ein Meilenstein im Gesamtprojekt darstellt, um genügend Ressourcen für die Umsetzung zu haben. Ich bin zwar der Meinung, dass eine Stelle für den gesamten Landkreis nicht sehr üppig geplant ist, aber ich kenn auch den Projektantrag nicht. Aufgrund meiner Fachkenntnisse und Erfahrungen habe ich mich ebenfalls auf diese Stelle beworben. Ich hätte gern zum Gelingen dieses Projektes beigetragen. Der Landkreis hat sich anderweitig entschieden.

Ich arbeite seit ca. 20 Jahren auf dem Gebiet der Digitalisierung im Gesundheitswesen. Unter meiner Federführung wurde die Leitstelle des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes (ÄBD) der Kassenärztlichen Vereinigung Berlin digitalisiert; die Dienstplanung der diensthabenden Ärzte in allen Dienstarten des ÄBD online gestellt (mittels Dienstsplanungssoftware in der Cloud) und mit externen Dienstleistern die Notdienstpraxen digital vernetzt. Auch hier wird mit einer Praxissoftware in der Cloud gearbeitet. Dies ermöglicht eine zentrale Abrechnung der ärztlichen Leistungen.

Aber wenn die Politik (noch) nicht weiß, wie die Digitalisierung der Schulen umgesetzt werden kann, wie soll es dann die Verwaltung des Landkreises wissen. Das alles erinnert mich an „Stochern im Dunkeln“ und hat wenig Fachkompetenz – leider. Befinden wir uns tatsächlich immer noch in Brandenburg im digitalen Neuland?